«Wer nicht schweigen kann, schadet der Heimat», mahnt noch immer ein Schild an der Wand im Innern der Panzersperre Kleinlützel. Während Jahrzehnten hielten sich die wenigen Eingeweihten an diesen Leitsatz und verrieten nicht, dass sich oberhalb der Schloss- und Beschlägefabrik im Wald ein weitläufiger Militärbunker befindet. Auf der gegenüberliegenden Seite des Gebirges liegt das deutlich kleinere Infanteriewerk Nord, das zum Flankenschutz des südlichen Werks diente. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte die Schweizer Armee die Anlagen aus Furcht vor einem deutschen Angriff errichtet. Nur wenige Kilometer von der Grenze zu Frankreich entfernt, können sie heute von allen Interessierten begangen werden.

Trotz der Verschwiegenheit der Armeeangehörigen haben in der Gemeinde im Schwarzbubenland viele gewusst, dass es die Bunker gibt. «Dass sie dort oben sind, war allgemein bekannt», sagt Beat Wyser. Man habe sie gesehen, wusste jedoch nicht, welchem Zweck sie dienen, sagt der Präsident des Bunkervereins Kleinlützel.

Kurz nach der Aufhebung der Geheimhaltung im Jahr 2002 durch die Armee gründete der Sachbearbeiter bei der Zollverwaltung den Verein, um die Bunker der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In vielen Arbeitsstunden funktionierte man sie zu einem Museum um. «Vieles liessen wir jedoch auch einfach so spartanisch, wie es war», sagt er, «damit die Besucherinnen und Besucher sehen, wie es hier einst aussah.» Damit meint der 58-Jährige vor allem das Plumpsklo und die noch immer funktionierende Telefonzentrale. Um die Anlagen herum errichtete der Verein gemeinsam mit der Gemeinde Kleinlützel, die heute die Bunker besitzt, Zugangswege.

26 Soldaten waren in den Bunkern

Momentan hat der Bunkerverein Kleinlützel gut 130 Mitglieder und organisiert Führungen, welche sich über das Thierstein und das Laufental hinaus grosser Beliebtheit erfreuen. Mit Genugtuung zeigt Wyser eine Liste mit den Gruppen, die in den vergangenen Monaten die Panzersperre Kleinlützel besuchten. Schulklassen aus der Region machten genauso einen Ausflug in die Bunker wie Wanderclubs und Unternehmen.

Am Anfang habe er gedacht, dass sich nur Militär-Freaks für die Anlagen interessieren würden, erklärt der Vereinspräsident. Dass dem nicht so sei, freue ihn, und vor allem, dass sich viele Kinder im Geschichtsunterricht mit der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg beschäftigen würden. «Damals betrieben 26 Soldaten die beiden Bunker», erklärt er beim Gang durch das verwinkelte und enge Infanteriewerk Süd, in dem Temperaturen von wenigen Grad herrschen. 17 Mann seien hier stationiert gewesen, weitere 9 im Gegenwerk. Zu Ernstfällen ist es bekanntermassen trotz der grossen Besatzung niemals gekommen. Zum Glück habe man die installierte Infanterie-Kanone und die beiden Maschinengewehre niemals verwenden müssen.

Aufrüstung mit neuen Modellen

Auch während des Kalten Kriegs befanden sich stets Soldaten in den beiden Bunkern. «Aufgrund des technischen Fortschritts wurde die Infanteriekanone sogar auf eine Panzerabwehrkanone aufgerüstet», sagt Bunkerwart Peter Höfler. Die Maschinengewehre habe die Armee ebenfalls durch neuere Modelle ersetzt. Schüsse wurden jedoch keine abgefeuert, auch wenn in Kleinlützel immer genug Munition vorhanden gewesen wäre. «Man hätte mit der Kanone vier Kilometer weit schiessen können – das ist von hier bis ins Elsass», erklärt er vor der einen Maschinengewehr-Station. Bei der sich daneben befindenden Panzerabwehrkanone zeigt Höfler oben auf ein Loch, das man zum Abwurf von Handgranaten hätte verwenden können.

Heute dient das einstige Munitionsdepot, das gemäss Plan zuletzt 1983 gewartet worden ist, dem Bunkerverein als Getränkekammer. «Bei den Führungen können die Besucher immer angeben, was sie im grossen Militärzelt vor dem südlichen Bunker konsumieren möchten», so Vereinspräsident Beat Wyser. Die Einnahmen verwende man für den Unterhalt der Anlagen, erklärt er im grossen Aufenthaltsraum, der sich 25 Meter im Innern des Felsen befindet. Hier trafen sich die Infanteristen, um gemeinsam zu speisen. Auf dem Tisch liegen, fein säuberlich angeordnet, originale Teller, Gläser, Besteck und vakuumiertes Schweizer Atombrot, das zehn Jahre lang haltbar ist. Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, die Soldaten würden sich gleich zum Mittagessen einfinden.

Führungen werden ab fünf Personen vom 1. April bis 31. Oktober angeboten.

www.kleinluetzelbunker.ch