Lodernd stieben die Flammen empor, es knistert in Liestals Strassen. Ein flammendes Inferno zieht die Burg herab zwischen Heerscharen von Zuschauern, die ihre Jacken schon bald öffnen, denn die Hitze treibt den Schweiss aus den Poren. Es ist Chienbäse in Liestal. Rauchschwaden schweben über den schwarzen Asphalt, tauchen Mensch und alles in ein gespenstisches Licht, Funkenregen sprüht über behelmten Köpfen.

Zehntausende fanden gestern den Weg nach Liestal, und Ruedi Schafroth, Präsident des Fasnachtskomitees, dürfte Freudensprünge gemacht haben. Nur keinen Regen hatte er sich im Vorfeld gewünscht – und kein Regen fiel denn auch, obschon den ganzen Tag über ein grauer Himmel als regnerischer Vorbote über Liestal gehangen hatte.

Kein Kraut gegen Feuerwagen

So war alles perfekt angerichtet für das perfekte Fest, den Höhepunkt der Bauernfasnacht. Die Stimmung unter den Besuchern brodelte, Laola-Wellen wurden angestimmt oberhalb vom «Engel», bei jedem vorbeihastenden Chienbäseträger ertönte Applaus und Jubelgeschrei. Nur gegen die Feuerwagen, diese Feuer speienden Höllenmaschinen, die kaum zu bändigen sind Richtung Wasserturmplatz hinunter, war kein Kraut gewachsen.

Fasnacht: Ein brennendes Spektakel

Fasnacht: Ein brennendes Spektakel

Trotzdem sehnte man sie herbei, die neun Feuer speienden Wagen. Vor allem diesen einen Moment, wenn das lodernde Ungetüm durchs Törli ächzt, Flammen um das ehrwürdige Gemäuer schlagen und Feuerwagen um Feuerwagen eins wurde mit dem Törli – gefolgt vom Wasserstrahl der Feuerwehr. Und wieder einmal hielt das Törli den flammenden Kolossen stand.

Viele junge Chienbäseträger

Für ihn war es der erste Chienbäse. Feuertaufe quasi. Und es gefiel ihm, dem Luzerner, der eigens aus der Innerschweiz gekommen war, um das feurige Spektakel aus der Nähe zu sehen. Viel habe er schon vom Chienbäse gehört – das Einmalige, das Mystische, das Unvergessliche; und dass die Baselbieter verrückt seien. Nun habe er auch noch den Beweis dafür.

Auch zahlreiche Liestaler waren zum ersten Mal am Chienbäse – zumindest als Aktive. Kaum je waren nämlich so viele junge Träger mit geschulterten Feuerbesen unterwegs. Darüber freute sich besonders Fasnachtspräsident Schafroth. Es beweise, dass der Chienbäse auf die kommende Generation zählen könne. Laut seiner Aussage müssten es rund 300 Besen gewesen sein, die gestern Abend den Winter für eine gute Stunde vergessen machten. Die Vielzahl war an den vier offiziellen Bauabenden gebunden worden, rund 20, schätzt Schafroth, kämen jeweils aus privaten Werkstätten hinzu.

Und natürlich blieb auch das obligatorische Verkehrschaos nicht aus. Rund ums Zentrum kurvten die Besucher aus allen Herren Kantonen und dem angrenzenden Ausland, derweil beim Gitterli, das abgesperrt war vom Verkehr, die Hälfte der Parkplätze leer blieb. Doch sonst war alles perfekt.