Von weitem leuchten die bunten Lämpchen über dem Zirkuszelt, das auf dem Parkplatz Löhrenacker in Aesch aufgestellt ist. Zum 21. Mal hat der seit 1880 bestehende Zirkus – der sich noch immer mit C schreibt – seine Zelte im Spätherbst hier aufgestellt, um ein vorweihnachtliches Programm zu zeigen.

Im Kassenhäuschen nimmt eine Stunde vor Beginn der Show für einige Zeit auch Zirkusdirektor Dominik Gasser, der in fünfter Generation den Zirkus leitet, Platz. Trotzdem hält es ihn hier nur wenige Minuten. Er geht ins Foyer vor der Manege, wo die ersten Gäste einen Apéro geniessen. Gasser begrüsst sie wie alte Bekannte. Es sind Zirkusfans aus der Region, die regelmässig die Premieren des Circus GO (Go steht für Gasser Olympia) besuchen.

Glasbalancen und Diabolo

Artistinnen und Artisten bilden als Samichläuse ein Begrüssungsspalier. Andere Künstler gehen in ihren Wohnwagen den Ablauf ihrer Nummer nochmals durch, während etwa Marius, der eine Hunde- und Katzennummer präsentieren wird, vor dem Zirkuszelt die frische Abendluft geniesst. Im Küchenzelt steht alles bereit, um die Gäste während des Programms auch kulinarisch zu verwöhnen.

Bereits auftrittsreif steht Andreas im Foyer. Mit dem Fotoapparat will er die Höhepunkte vor der Aufführung festhalten. Er ist der einzige Schweizer unter den Artisten und einer der wenigen, der kurz vor dem Auftritt völlig ruhig bleibt und Smalltalk führt. Für seinen Auftritt, spektakuläre Balanciernummern, gehört Ruhe und Gelassenheit ohnehin zur Grundausstattung: «Nein, ich bin nie nervös vor dem Auftritt», sagt er. Dies trifft auch auf Direktor Dominik Gasser zu: Auch er verspüre keine Nervosität, selbst vor einer Premiere nicht.

Gut sechzig Leute aus über zwanzig Nationen gehören zum Circus Gasser Olympia. Seit Jahren kommen etwa die kräftigen Männer, die das Zirkuszelt innert weniger Stunden aufstellen, aus Marokko: «Sie kommen fast alle aus demselben Dorf und sind alle irgendwie miteinander verwandt», sagt Ursula Limanets, die unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit des Zirkus zuständig ist.

Zwei Stunden Highlights

Bis kurz vor Weihnachten wird der Circus Gasser sein Domizil in Aesch haben. Fast täglich treten Trapezkünstlerinnen, Schlangenfrauen, Jongleure, Clowns und Artisten auf, manchmal sogar zweimal täglich. Sie zeigen ein abwechslungsreiches und atemberaubendes Programm. Hüte werden durch die Luft wirbeln, kleine Bälle auf den Füssen balanciert, an Trapez und Tüchern zeigen Artistinnen in luftiger Höhe Akrobatik vom Feinsten.

Andreas, der Hausfotograf, wird mit seinen Glasbalancen das Publikum mit offenen Mündern staunen lassen. Er dagegen hält während seines Auftritts seinen Mund fest geschlossen: Zwischen den Lippen eingeklemmt hat er ein kleines Brett, auf das er Glas um Glas schichtet und dabei gleich noch über die Bühne marschiert. Besonders beeindruckend ist Andreas’ zweite Nummer. Auf einen Golfschläger platziert er einen Golfball, auf den er wiederum einen zweiten Schläger klebt. Am Ende balanciert er dies und legt noch einen dritten Schläger dazu. Verblüffend sind auch die Diabolo-Darbietungen von Navolnev. Wie von Geisterhand bewegt werden die Diabolos fast bis zur Zirkuskuppel hochgeschleudert und mit der Schnur wieder aufgefangen. Denis, tags zuvor von der Bühne gestürzt, lässt sich von seiner Verletzung nicht beeindrucken und lässt auf seiner Hand würfel- und pyramidenförmige Alu-Stangen wirbeln. Marius und Janika demonstrieren, dass man auch Katzen abrichten kann. Wenn man ihnen Leckerli anbietet, taumeln sie sogar auf wackligen Schnüren von einem Podest zum andern. Das gut zweistündige Programm hat viele weitere Highlights zu bieten: ein Luftballett mit vier Akrobatinnen, diverse Jonglagen, Auftritte von Clowns sowie zwei sich athletisch verrenkende Schlangenfrauen, Yin und Yang, die überdies mit einer akrobatischen Nummer begeistern.