Die Begegnungszone in der Bezirksmetropole Sissach kommt auch dem Fasnachtsumzug entgegen. Beherrschten im letzten Jahr die Pfarrhauschüngel in einem kleinen Flecken unter der Roten Flue die Szene, so war heuer kein eigentliches Schwerpunktthema auszumachen, abgesehen von den etwa 15 Formationen, die einen runden Geburtstag zu feiern hatten. 70 Wagen, Cliquen und Guggen zogen durch die Sissacher Gassen. Mehr verträgt es aus logistischen Gründen nicht.

Ein grosser Teil der vor Tausenden Schaulustiger defilierenden Formationen stammte aus Sissach. Zugelassen waren auch Fasnächtlerinnen und Fasnächtler aus Zunzgen, Gelterkinden und anderen Trabantensiedlungen um den Kantonshauptort. Wie üblich erteilte die organisierende Fasnachtsgesellschaft Sissach ein paar Formationen, die es einfach nicht lassen können, nämlich aus Gebieten, wo die Herrenfasnacht bereits Geschichte ist, grünes Licht. Die einheimischen Schlammsuuger wollten ihr fünfzigjähriges Bestehen nicht allein feiern und luden als Gäste die Wiler Tüüfel ein. «Wir kommen aus Wil im Kanton St. Gallen und dürfen hier mit den Schlammsuugern auftreten. Das ist eine grosse Ehre für uns», freute sich eine junge Dame der Gugge aus der Ostschweiz.

Badewannen und Traktoren

Den Vogel abgeschossen haben einmal mehr die Guggä-Rugger aus Buus. Seit Jahren überraschen sie mit ihren Monstergefährten das Publikum. Heuer war es ein täuschend echt wirkender Dinosaurier. Mit seinem langen Hals und seinem gefrässigen Schlund erreichte das Untier auf beiden Strassenseiten problemlos die Fenster im ersten Stock und versetzte die Vorwitzigen in Angst und Schrecken. Die Wüehlmüüs aus Rickenbach thematisierten die neue Gelterkinder Badi, bei der die Bauarbeiten eben erst begonnen haben. Das Bassin, das die Wasserratten mitführten, hatte die Form einer Badewanne. Mangels Wasser wurden Vorwitzige gehörig mit Konfetti eingeseift. Die Wüehlmüüs konnten es nicht verkneifen, die ausgereizte Finanzierung der Badi unter die Lupe zu nehmen und schrieben auf ihren Wagen:

Bevor in der Badi
chasch uf em Badtuech penne,
muesch zerscht
am Sponsorelauf go renne!

Die eingeborenen Söidryyber setzten heuer alles auf eine Karte, genauer gesagt auf die PS ihres Monstertraktors und packten dies in den Reim:

Es Süschee hei mir nit das Johr,
derfür en XXL-Traktor.

Die Farnsburg ist nicht in Sissach

Weltpolitisches fristete am Sissacher Umzug nur ein Schattendasein. Um auf das Podium der Sissacher Fasnacht gehievt zu werden, reicht es eben nicht aus, wenn irgendwo ein politischer Nobody zum Präsidenten gewählt wird. Und den Brexit, ein ähnliches Trauerspiel, erkoren einzig die Zapfhähne zum Sujet. Die neue Sissacher Bierbrauerei Farnsburg verdiente sich gute Noten. Dennoch fanden Diä Churzfrischtige ein Haar im Gerstensaft:

S Bier isch wirklich guet und so,
aber d Farnsburg isch nit vo do.

Einigermassen tröstlich: Die Farnsburg steht auch nicht in Gelterkinden, sondern in Buus, Hemmiken und Ormalingen. Die Lets Fetz Waggis setzten sich mit der heutigen Gesprächskultur, die selbst vor dem Stammtisch nicht Halt macht, auseinander. «Me het sich nüt me z säge», steht auf dem Wagen. Darunter hängt ein Bild mit fünf Gestalten an einem Tisch, die sich alle mit dem Smartphone statt mit dem Gegenüber unterhalten. Erneut zu Ehren kam die vor hundert Jahren stillgelegte SGB. Die Betreiber der Sissach-Gelterkinden-Bahn präsentierten ihre neue Dampflokomotive und versprachen «Mir bliibe uf dr Strecki!» Um beim Verkehr zu bleiben: Die Oltiger Schnittä nahmen es gelassen, dass der Skilift diesen Winter nicht in Betrieb ist.