Eine übereifrige, junge Ermittlerin der Polizei, missliebige Jäger, unzufriedene Untergebene und eine sensationshungrige Tageszeitung sind die Hauptakteure eines vermeintlichen Skandals, der am Dienstag in sich zusammengebrochen ist – nicht ganz unerwartet übrigens. Der seit diesem Sommer unter Generalverdacht stehende Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch wurde im Dienstag veröffentlichten Schlussbericht einer Administrativuntersuchung weitestgehend entlastet. Das unabhängige Basler Anwaltsbüro Wenger Plattner kam zum Schluss, dass aus einem Katalog von 18 durch die Ermittlerin zusammengetragenen Verdachtsfällen nur gerade drei der vertieften Überprüfung standhielten.

In zwei von drei Fällen schätzte Bloch die rechtliche Situation falsch ein: einmal, als er trotz Verstoss gegen die Schonzeit die Jagdberechtigung des Sünders nicht entzog, und einmal, als er trotz Ausstandspflicht eine Anzeige gegen einen fehlbaren Jäger erstattete. Im dritten Fall gab Bloch bei einer gemeinsamen Fahrt mit einem Jagdkollegen seine Ebenrain-Parkkarte an den Begleiter weiter, was die untersuchenden Anwälte als «wenig vorbildlich», aber letztlich als «Bagatelle» qualifizierten.

Stets seine Unschuld beteuert

In allen übrigen Fällen habe sich Bloch «richtig oder mindestens vertretbar» verhalten. Zu keinem Zeitpunkt habe er sich oder anderen Personen unrechtmässige Vorteile zukommen lassen oder wollen. Anzeichen für eine missbräuchliche Amtsführung gebe es nicht. Gewisse Defizite orteten Wenger Plattner lediglich in Blochs Führungsverhalten, und hier insbesondere bei dessen Kommunikation. Als Folge davon hat die Regierung Bloch ein Coaching-Programm verpasst, sieht aber keinen Grund für disziplinarische oder gar strafrechtliche Konsequenzen.

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Ebenso kommt der Bericht zum Schluss, dass die Staatsanwaltschaft korrekt gehandelt hat, als sie den Fall als strafrechtlich irrelevant beurteilte und sich weigerte, gegen Bloch vorzugehen. Gerade das aber passte offenbar gewissen Kantonsangestellten nicht, die Bloch und die Staatsanwaltschaft bei der Geschäftsprüfungskommission des Landrats (GPK) anschwärzten. Als der Fall Anfang Juli publik wurde, zeichneten gewisse regionale Medien von Bloch das Bild eines selbstherrlichen Verwaltungskönigs, der nach Gutdünken Bewilligungen erteilt oder entzieht und sogar mutwillig Urkundenfälschung begeht. Er selbst durfte wegen des laufenden Verfahrens nie öffentlich Stellung nehmen, beteuerte aber im privaten Gespräch stets seine Unschuld.

Eine finale Wendung erhielt der Fall, der gar keiner ist, durch die Berichterstattung der «Basler Zeitung» vom Dienstag. Unter der Schlagzeile «Fall Bloch: Verstrickungen bis ganz nach oben» wurde erneut die These verbreitet, dass die Staatsanwaltschaft die Untersuchungen gegen Bloch unter den Tisch habe kehren wollen. Sogar Blochs Freundschaft zum verstorbenen Regierungsrat Peter Zwick wurde darin wieder bemüht. «So habe Zwick als Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) wiederholt das fragwürdige Vorgehen des Kantonstierarztes gedeckt», schrieb die «BaZ» am Dienstag, ohne aber Beweise für diese Anschuldigungen liefern zu können.

Nach Abschluss der Administrativuntersuchung verschiebt sich nun der Fokus auf den eigentlichen Skandal: Offensichtlich trachten unzufriedene Polizisten danach, unter dem Deckmantel der Anonymität die «Basler Zeitung» in ihren Privatkrieg gegen die Stawa einzuspannen. So wurde am Dienstag innerhalb der VGD der Zeitpunkt der jüngsten «BaZ»-Veröffentlichung als gezielter Versuch interpretiert, das entlastende Fazit des Untersuchungsberichts von vornherein zu untergraben und damit auch die Regierung als unglaubwürdig und Teil der Vertuschungs- und Filzmachenschaften darzustellen.

Schon einmal daneben gelegen

Bereits beim angeblich zu laschen Umgang der Stawa mit verhafteten Kriminaltouristen hatte die «BaZ» unter Bezug auf anonyme Polizei-Informanten wochenlang gegen die Erste Staatsanwältin Angela Weirich geschossen, ohne dass nach Abschluss der GPK-Untersuchung allzu viel von den Vorwürfen übrig geblieben wäre. Von einer Instrumentalisierung der «BaZ» will jedoch Daniel Ballmer, der Ressortleiter der Baselland-Redaktion, nichts wissen: «Unsere Recherche basiert auf einem Untersuchungsbericht der Polizei.» Gerade dieser Polizeibericht wurde aber von der Anwaltskanzlei Wenger Plattner als fragwürdig eingestuft, weil darin Zeugenaussagen zu verwaltungsrechtlichen Vorgängen «unreflektiert» übernommen worden seien.

Für Stephan Mathis, den Generalsekretär der Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID), ist klar, dass das Vorgehen der anonymen Informanten eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten darstellt: «Es bestehen auch in der SID genügend Anlaufstellen für unzufriedene Mitarbeiter, die mit Abläufen oder Vorgesetzten nicht einverstanden sind.» Wie der neue Polizeikommandant Mark Burkhard gegen diese Unkultur in seinem Korps angehen will, blieb am Dienstag noch offen. Mathis konnte dazu nur sagen, dass die SID diese Vorgänge «sehr, sehr ernst» nimmt.