Kaum einen Monat hatten die FCB-Spieler Zeit, sich von ihrem jüngsten Titelgewinn zu erholen. Für erfahrene Spieler wie Alex Frei eine zu kurze Zeit. «Ich hätte gerne mehr Ferien gehabt. Aber ich freue mich trotzdem, dass es wieder losgeht», sagte der Torschützenkönig tapfer gegenüber der geballten Medienschar, die wie gewohnt den offiziellen Trainingsauftakt begleitete.

Ansprache von FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler

Das sagt der FCB-Vize vor der Saison

Die knapp bemessene Erholungszeit war indes nicht die einzige Sorge, die den frisch verheirateten Biel-Benkemer gestern beschäftigte. Noch immer machte er aus seinem Ärger keinen Hehl, dass «Telebasel» am Samstag in waschechter Paparazzi-Manier unautorisierte Bilder seiner Hochzeit in der Paulus-Kirche gedreht und gesendet hatte. «Das ist für mich auch deshalb besonders enttäuschend, weil es sich um einen Sender der Region handelt, von dem ich gehofft hätte, dass er meine Privatsphäre – und das ist eine Hochzeit – respektiert», sagt Frei.

Rücktritt als Denkanstoss

Es ist zumindest nachvollziehbar, wenn der rotblaue Goalgetter so reagiert. Dafür musste er in der vergangenen Saison zu viel Häme einstecken, die schliesslich in seinem vorzeitigen Rücktritt aus dem Nationalteam gipfelte. «Es ist so, dass ich mit einigen Zeitungen nur noch im Rahmen der vorgeschriebenen professionellen Auftritte rede, etwa in der Mixed-Zone nach dem Spiel», bestätigt Frei gegenüber der bz.

Eigentlich sei sein Rücktritt aus dem Nationalteam auch als Denkanstoss gedacht gewesen, um die Medien dazu zu bringen, einen Moment lang innezuhalten und sich zu überlegen, ob bezüglich Alex Frei nicht da und dort auch ethische Grenzen überschritten worden seien, erklärt FCB-Medienchef Josef Zindel. Doch selbst dieser bewusste Befreiungsschlag mutierte zum Bumerang. Plötzlich war der Baselbieter der Verräter, der die Nationalmannschaft vor einem wichtigen Spiel im Stich lässt, obschon zuvor von gleicher Seite vehement sein Rücktritt gefordert worden war.

Erfundene Aussagen

«Man muss doch nicht glauben, dass das alles an ihm spurlos vorüber geht», ereifert sich Freis Teamkollege Beni Huggel. Sogar Trainer Thorsten Fink vergass nicht anzufügen, dass er weiterhin Journalisten zur Rede stellen werde, wenn diese aus seiner Sicht unkorrekt berichten. Von ihm wird der Satz zitiert, dass er es nicht einmal bei der «Bild»-Zeitung erlebt habe, dass Storys wie hierzulande frei erfunden werden.

«Grundsätzlich bin ich mit der Mediensituation in der Schweiz zufrieden», relativierte der Deutsche am Rande der vielen Gespräche, die er gestern mit Presse-, Radio-, Online- und TV-Vertretern führte. «Es geht mir einfach darum, mich schützend vor meine Spieler zu stellen.» Vergangene Saison seien Alex Frei und Marco Streller zu stark und zu kritisch im Fokus der nationalen Medien gestanden. «Hier wollte ich korrigierend eingreifen.» Wobei Fink selber schlechte Erfahrungen gemacht hat. «Wenn Trainerkollegen mit frei erfundenen Aussagen von mir konfrontiert werden, nur um die Stimmung vor einem Spiel anzuheizen, dann ist das inakzeptabel.»

Fink beteuert im gleichen Atemzug, dass er nicht empfindlich sei und durchaus die Mechanismen verstehe, die solchen Berichterstattungen zugrunde liegen. «Entscheidend ist doch, dass die Stimmung im Vorfeld nicht derart aggressiv wird, dass auf den Zuschauerrängen Menschen zu Schaden kommen.»