Es war eine Zollkontrolle im vergangenen April, die zur Verhaftung des 32-jährigen Mannes aus Weil am Rhein führte: Seine Fingerabdrücke waren im System gespeichert. Die Geschichte dahinter ist alt: Im Mai 2007 überfiel ein Mann einen Garagenbetrieb in Birsfelden, bedrohte den Besitzer mit einem Messer und zwang ihn schliesslich mit mehreren Schlägen, den Safe zu öffnen. Der Unbekannte flüchtete mit einer Beute von 600 Franken.

Seit Mai in Untersuchungshaft

Eigentlich sollte das Opfer damals das Geld in einen Plastiksack stopfen. Doch in der Hektik ergriff der Täter schliesslich die Geldkassette und liess den Plastiksack am Tatort liegen. Die Ermittler konnten das Fragment des Abdruckes eines rechten Ringfingers darauf sicherstellen. Elf Jahre später führte dann die Anfrage der Grenzwächter zu einem Treffer, der 32-Jährige sitzt seit Mitte Mai in Untersuchungshaft, er wurde von Deutschland ausgeliefert. Er beteuert seither, er habe mit dem damaligen Überfall nichts zu tun.

Staatsanwältin Erika Kremniczky verlangte eine Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren wegen eines qualifierten Raubes. Der Mann hatte zum Tatzeitpunkt auch in Deutschland mit der Justiz zu tun: Er ist vorbestraft, weil er damals zusammen mit anderen jungen Männern Spielautomaten aufbrach. Zudem kannte er einen ehemaligen Angestellten des Garagenbesitzers. Verteidiger Sebastian Kaufmann betonte am Mittwoch vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz, sein Mandant könne nicht aufgrund eines Fingerabdruckes verurteilt werden. «Wissenschaftlich wirklich abgestützt ist nur die DNA», sagte er, auch seien aus den USA Fehlerraten bei Fingerabdrücken von bis zu 15 Prozent bekannt.

Das Strafgericht befragte dazu eine Stunde lang einen Forensik-Experten. Dieser betonte indes, gemäss einem international standardisierten Verfahren gelten Fingerabdrücke ab zwölf Übereinstimmungen als eindeutig identifiziert. Hier habe man einen qualitativ aussergewöhnlich guten Abdruck mit 41 Übereinstimmungen.

Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli sagte dazu, man sei überzeugt, dass der Abdruck vom Angeklagten stamme. «Es ist eher wahrscheinlich, dass er die Tat begangen hat». Aber das Strafgericht müsse davon überzeugt sein, dass er der Täter ist, und im konkreten Fall blieben Zweifel. Daher fällten die fünf Richter einen Freispruch «in dubio».

Beschwerde der Staatsanwältin

Das Gericht sprach dem Mann als Genugtuung für die ungerechtfertigte Haft 31 500 Franken zu, was rund 220 Franken pro Tag entspricht. Nach Hause durfte er am Mittwoch noch nicht: Das Gericht hob zwar die Sicherheitshaft auf, Staatsanwältin Erika Kremniczky legte dagegen aber Beschwerde ein. Über die Haft muss nun das Kantonsgericht innerhalb von fünf Tagen entscheiden.

Worauf sich die Zollkontrolle im April bezog, weswegen die Fingerabdrücke überhaupt genommen wurden, wurde vor Gericht nicht bekannt. Polizeilich ist der Mann offenbar auch im Zusammenhang mit einem anderen Raub aufgefallen. Verurteilt wurde er dafür allerdings nie, daher durfte das Gericht dies auch nicht berücksichtigen. Auch inhaltlich wird wohl das Kantonsgericht als zweite Instanz die Vorwürfe noch beurteilen müssen.