Die Nase läuft, der Schädel brummt, der Körper kocht, die Gelenke schmerzen und selbst zum Lesen ist man zu matt: Eine «richtige» Grippe, also eine Infektion mit einem Influenza-Virus, haut die Patienten zwischen einer Woche und zehn Tagen ins Bett. Doch das Pantheon der «Käfer», wie die Viren im Volksmund heissen, hält weitere Gemeinheiten bereit: «Grippeähnliche Erkrankungen werden ausser durch Grippeviren auch durch eine ganze Reihe anderer Erreger ausgelöst», erklärt der Baselbieter Kantonsarzt Brian Martin. «Diese werden aber nicht systematisch erfasst und ausgewertet. Deshalb ist es durchaus möglich, aber letztlich nicht überprüfbar, ob andere hartnäckige Erkrankungen kursieren.» Sein Baselstädter Berufskollege Thomas Felder ergänzt: «Auch diese anderen Viren sind im Winter häufig und die Grippeimpfung schützt davor nicht.»

Im USB sinkt die Fallzahl wieder

Bleiben wir also vorläufig bei der Influenza: Dazu führt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) aufgrund der Meldungen ausgesuchter Arztpraxen eine Statistik. Darauf bezieht sich Martin, wenn er sagt: «Der aktuelle Stand liegt über dem Höchststand des Winters 2015/16, aber noch unter dem des Winters 2014/15.» In allen Altersgruppen ausser bei den ab 65-Jährigen werde die Häufigkeit der Neuerkrankungen als steigend beurteilt. «Es ist deshalb denkbar, dass der Höchststand 2014/2015 in den folgenden Wochen übertroffen wird.»

Dabei wies in der Kalenderwoche 2 die Nordwestschweiz (AG, BL, BS, SO) mit 465 Neuerkrankungen auf 100 000 Einwohner die zweithöchste Rate der Schweiz auf. Dazu erklärt Martin: «Sie wird als steigend beurteilt.»

Das klingt vorsichtig, denn mittlerweile haben wir die Kalenderwoche 4 und die Meldungen aus dem Universitätsspital Basel (USB) lassen hoffen, dass der Zenit überschritten ist. «Den Höchststand mit 132 diagnostizierten Grippefällen hatten wir in der Woche 1», berichtet Mediensprecher Martin Jordan. In der Woche 2 waren es 128 Fälle, in der Woche 3 sank die Zahl auf 87 Fälle.

«Je nach Wetter oder Mutation des Virus ist es zwar denkbar, dass die Anzahl Grippefälle nochmals ansteigt, aber dies ist nicht wahrscheinlich», erklärt der USB-Sprecher. Er weist aber darauf hin, dass heuer die Grippe sich besonders rasch ausbreitete: «Bei einer üblichen Grippewelle kann jeder Infizierte rund 1,5 weitere Personen anstecken. In dieser Saison – so die aktuelle Schätzung – liegt dieser Wert bei 2,5 Ansteckungen pro Infizierten.» Dann nennt er äussere Faktoren: «Wäre die Fasnacht früher, müssten wir mit einem Anstieg rechnen. Sie ist aber erst Ende Februar und Anfang März, daher rechnen wir mit einer weiteren Abnahme.»

Im Kantonsspital Baselland (KSBL) wird die Grippehäufigkeit als «anhaltend hoch» beschrieben. Und Felder betont für Basel-Stadt: «Abschliessend lässt sich die Situation erst beurteilen, wenn die Spitze eindeutig überschritten ist, was im Moment – auf der Datenbasis vom 17. Januar – noch nicht der Fall ist.»

Viele kleine Patienten

Schweizweit scheint das Influenza-Virus besonders Kinder zwischen null und vier Jahren zu attackieren: 599 Fälle zählte das BAG in der Woche 2, – mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Im Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) erklärt aber Mediensprecherin Deborah Wallrabenstein, es sei zwar gut möglich, dass viele der zahlreichen ambulanten Patienten, bei denen kein Erregernachweis erfolgt, mit Grippeviren infiziert seien. «Es sind jedoch viel mehr Kinder mit anderen Atemwegsinfektionen so krank, dass sie Spitalpflege und -betreuung brauchen, vorwiegend mit RS- und nicht mit Grippe-Viren.» RS-Viren gehören zu jenen «Käfern», die ähnliche Symptome auslösen wie das Grippe-Virus.

Wenig Fälle bei über 65-Jährigen

«Die Behandlungskapazitäten im UKBB sind ausgelastet und der Gipfel ist noch nicht überschritten», erklärt Wallrabenstein. «Die Grippe ist eine ernste Krankheit, welche vor allem bei jungen Säuglingen ernste Komplikationen machen kann. Dank der Grippe-Impfung in der Schwangerschaft können junge Säuglinge aber vom sogenannten Nestschutz profitieren.»

Entspannter scheint die Situation am anderen Ende des Altersspektrums: Einzig in der Altersgruppe Ü 65 beurteilte das BAG bereits in der Woche 2 die Lage als «konstant». Dies deckt sich mit der Aussage von Brigitte Frederiks, Leiterin Betreuung und Pflege im Seniorenzentrum «Gritt» in Niederdorf: «Wir hatten fast keine Grippefälle.» Und in einer Hausarztpraxis in der Agglomeration mit vorwiegend älterer Klientel heisst es, man habe die meisten Patienten über 80 «durchgeimpft». Die Grippe-Spitze sei Anfang Jahr gewesen, aber man habe immer noch viele Patientinnen und Patienten, die ein anderes Virus «erwischt» haben.

Einig ist man sich, dass die Grippe nicht die Ursache für die gehäuften Todesfälle sei. Vielmehr würden betagte, bereits durch andere Grund-Erkrankungen geschwächte Menschen insgesamt häufiger im Winterhalbjahr sterben. Selbst eine gewöhnliche Erkältung könne den bereits geschwächten Körper überfordern.