Während die Inter-GGA und ihre neue Providerin Quickline gestern auf einer Pressekonferenz in Reinach noch einmal ihre Strategie für zufriedene Kunden vorstellten, droht rings um die viel gescholtene Kabelnetzbetreiberin die nächste Schlammschlacht: diesmal zwischen den aktuellen Aktionärsgemeinden und der ehemaligen.

So war es nur die Antwort des Therwiler Gemeindepräsidenten Reto Wolf auf eine Journalistenfrage, die den Binninger Gemeinderat Urs-Peter Moos in Rage brachte, obwohl er am Anlass gar nicht anwesend war und erst später davon erfuhr: Wolf fungiert neu als offizieller Sprecher der übrigen Aktionärsgemeinden und schätzte als solcher die Wahrscheinlichkeit gross ein, dass der Austritt Binningens aus der Inter-GGA juristische Folgen haben, sprich vor Gericht gehen werde. Die Kündigung, die Binningen ausgesprochen habe, entspreche nicht den Anforderungen.

Stillschweigen gebrochen

«Es ist anmassend zu behaupten, Binningen sei vertragsbrüchig geworden», teilte Moos der bz mit. Im Gegenteil sei die Inter-GGA vertragsbrüchig, weil sie sich von ihrer statutenmässigen Eigenschaft einer nicht-profitorientierten Organisation entfernt habe. Das sei durch den Entzug der Steuerbefreiung durch das Baselbieter Steuergericht im Frühjahr 2013 offiziell. Zudem ärgert sich Moos über das gebrochene Stillschweigen, das zwischen den Gemeinden vereinbart worden sei. Wolf erwiderte auf Nachfrage der bz, es sei lediglich vereinbart worden, die Auseinandersetzung nicht über die Medien zu führen.

Relativ ruhig blieb es hingegen um die andere Rebellengemeinde: Der Dornacher Gemeinderat hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass er vorerst für ein Jahr die Improware-Angebote beibehalten werde, um die beste Lösung für Dornach zu finden (die bz berichtete). Welche Konsequenzen dieser Entscheid hat, konnte Inter-GGA-Verwaltungsratspräsident Karl Schenk gestern nicht sagen: «Das ist eine neue Situation, die wir so noch nie hatten.» Tatsächlich sei Dornach aber in einer Sondersituation, weil der Verteilerknoten im Ort der Gemeinde und nicht wie andernorts der Inter-GGA gehöre. Ausserdem erhalte Dornach noch immer das Fernsehsignal von der Inter-GGA. Dornachs Gemeindepräsident Christian Schlatter ist sich auf Nachfrage hingegen sicher, dass die Gemeinde Dornach nach wie vor Aktionärin der Inter-GGA sei. «Nicht amüsierte Reaktionen» von Dornachern, die bereits zu Quickline gewechselt hätten, seien «die grosse Ausnahme» gewesen. Ihnen werde die Improware aber mit einem speziellen Angebot entgegenkommen.

Schenk bestätigte auf der Pressekonferenz, dass die Inter-GGA weiterhin «felsenfest» vom Wechsel zu Quickline überzeugt sei. Strategisches Ziel sei es gewesen, den direkten Kontakt zu den Kunden zu erhalten (bisher war hier die Improware zuständig) und eine Mitsprachemöglichkeit bei der Produktgestaltung zu bekommen (was die Quickline ermögliche). Quickline-Verwaltungsratspräsident Roy Simmonds beschrieb die Quickline als «Selbsthilfegruppe von Kabelnetzbetreibern», die sich zusammengeschlossen hätten, um von den Synergien zu profitieren – so, wie die Inter-GGA eine Art «Selbsthilfegruppe von Ortsnetzbesitzern» sei. Geschäftsführer Nicolas Perrenoud versicherte, dass die Schwierigkeiten, die die Inter-GGA beim Providerwechsel erfahre, schweizweit einzigartig seien.