Die Gesundheitsdirektoren beider Basel feiern die Spitalfusion als Durchbruch im regionalen Gesundheitswesen. Was allerdings nicht thematisiert wird: Die Zusammenlegung des Basler Unispitals und des Kantonsspitals Baselland wird den Steuer- und Prämienzahler kaum entlasten. Die Synergieeffekte der gemeinsamen Spitalgruppe sollen die beiden Kantone insgesamt um rund 10 Millionen Franken pro Jahr entlasten. Bei 5,4 Milliarden Franken Gesundheitskosten in den beiden Kantonen ist das eine vernachlässigbare Summe.

Der Basler SP-Grossrat Kaspar Sutter will nun den Fokus auf das eigentliche Problem richten: die Überversorgung. Auch Sutter kennt die Fehlanreize des Gesundheitswesens. «Es ist kein Markt, der funktioniert. Ärzte und Spitäler haben den finanziellen Anreiz, möglichst viele Leistungen zu verkaufen. Die Patienten aber sind dem Fachwissen der Ärzte ausgeliefert, und die Kosten werden durch die Versicherungen getragen.»

Eine hohe Bettendichte, da sind sich die Experten einig, generiert hohe Fallzahlen. In der Orthopädie hat die Region mit den Privatspitälern Merian Iselin in Basel, der Birshofklinik in Münchenstein, der Muttenzer Rennbahnklinik, der Orthoklinik Dornach sowie den beiden öffentlich-rechtlichen Spitälern sechs auf Orthopädie spezialisierte Häuser. Die Folge: In gewissen Disziplinen werden in den beiden Basel mit die höchsten Fallzahlen erreicht.

Gemäss dem Vergleichsportal versorgungsatlas.ch werden in Baselland jährlich 4,52 Kniespiegelungen pro 1000 Einwohner durchgeführt, in Basel-Stadt 4,12 – dies, obwohl der Nutzen dieser Eingriffe bei nicht-unfallbedingten Meniskusschäden umstritten ist. Zum Vergleich: Im ebenfalls urbanen Kanton Genf werden weniger als halb so viele Kniearthroskopien durchgeführt (jährlich 1,62 pro 1000 Einwohner). Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den künstlichen Knie- und Hüftgelenken. Die Kantone Baselland und Basel-Stadt belegen bei den Kniegelenkprothesen schweizweit die Ränge drei und vier.

Spitalliste als neues Instrument

Kaspar Sutter will mit einer schriftlichen Anfrage den Druck auf den Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) erhöhen. Er will unter anderem wissen, welche Kosten durch Kniespiegelungen sowie Hüft- und Knieprothesen generiert werden und warum der Regierungsrat in seiner Eignerstrategie für die eigenen Spitäler keine Vorgaben macht, auf «unnötige» Operationen zu verzichten.

Sutter sagt: «Die Gesundheitsdirektoren haben mit der kantonalen oder später gemeinsamen Spitalliste ein Instrument, um das Überangebot zu reduzieren. Das wird wehtun, ist aber unumgänglich für die Kostensenkung im Gesundheitswesen.»

Engelbergers Sprecherin Anne Tschudin sagt, dass das Problem erkannt sei. Die Demografie, die Zentrumsfunktion von Basel ohne grossen Landanteil wie Zürich, aber auch eine hohe Dichte an Leistungserbringern und damit ein leichterer Zugang führten zu den hohen Fallzahlen. Dem Gesundheitsdepartement scheint aber nicht nach einer schnellen Intervention zu sein.

«Wenn wir aufgrund von soliden Zahlengrundlagen und Studien ein Überangebot belegen können, ist eine Einschränkung denkbar», sagt Tschudin. Mit einem Projekt «ambulant vor stationär» könnte man analog der Kantone Luzern und Zürich die kniearthroskopischen Eingriffe weiter und gezielt vom stationären in den ambulanten Bereich verschieben, sagt sie. Auch so könnten Kosten gespart werden.