Am Wochenende wurden die letzten Stimmzettel eingeworfen, am Montag die Abstimmungsplakate weggeräumt. Und jetzt folgt schon der nächste Abstimmungskampf: An einer Pressekonferenz im Landratssaal in Liestal präsentierten gestern Vertreter des Referendumskomitees gegen die Stilllegung der S9, oder liebevoll des «Läufelfingerlis», ihre Argumente und ihr Abstimmungsplakat.

Die S9 hat schon oft zittern müssen. Immer wieder wurde hinterfragt, ob die Linie Sissach-Läufelfingen-Olten weiterbetrieben werden soll. Nun könnte es der Bahn aber endgültig an den Kragen gehen. Im 8. Generellen Leistungsauftrag im öffentlichen Verkehr (GLA) von den Jahren 2018 bis 2021, den der Landrat im März verabschiedete, ist geplant, die S9 durch einen Busbetrieb zu ersetzen. Dagegen regte sich Widerstand. Insgesamt 5400 Unterschriften sammelte das überparteiliche Referendumskomitee, und schaffte damit die erste Hürde.

Nun folgt aber die zweite: Die Befürworter des Läufelfingerlis müssen das Stimmvolk auf ihre Seite ziehen. Dass sie dafür alle Register ziehen müssen, ist dem Komitee seit dem letzten Wochenende noch klarer als vorher. Am Sonntag wurde der Margarethenstich vom Stimmvolk abgelehnt. «Wir müssen deshalb unbedingt aufzeigen, wie wichtig die S9 für Gemeinden wie Läufelfingen ist», betont Jürg Degen (SP), Präsident des Referendumskomitees. Er nahm gleich zu Beginn der Pressekonferenz die Frage vorweg, die nach dem letzten Wochenende auf der Hand lag: Bedeutet das Nein zum Margarethenstich, dass die Chancen auch für das Läufelfingerli schlecht stehen? «Nein», so lautet die Antwort von Degen. Für die Antwort gibt er einen Hauptgrund an: Die S9 sei für eine ganze Region überlebenswichtig. Im Gegensatz dazu habe das Volk den Margarethenstich nicht als notwendig empfunden, nicht einmal in den Gemeinden, die davon profitiert hätten.

Gemeinden fürchten den Verlust

Für die Gemeinden im Homburgertal wäre der Verlust der S9 dagegen ein harter Schlag. Ein Beispiel dafür ist die Gemeinde Läufelfingen. Gemeindepräsident Dieter Forter gehört zum Referendumskomitee. «Unsere Gemeinde profitiert sehr davon, dass sie so zentral gelegen ist. Und dazu gehört auch eine gute Verkehrsanbindung.» Die S9 könne nicht einfach durch Busse ersetzt werden, ist Forter überzeugt. «Denn mit Bussen dauert die Fahrt viel länger, weil der Bus über den Hauenstein fahren muss.»

Viele Einwohner in Läufelfingen seien verunsichert, das spüre er regelmässig, erzählt Forter. «Die Menschen fragen sich, wie es weitergeht, wenn die S9 nicht mehr fährt. Ohne die Bahn sind wir abgeschnitten.» Diese unsichere Situation ärgert Forter. «Wir geben uns viel Mühe, in Läufelfingen die Wirtschaft voranzubringen. Aber wenn die Verkehrsverbindungen schlecht sind, dann nützt auch Wirtschaftsförderung nichts.» Pendler würden nicht mehr nach Läufelfingen ziehen, fürchtet er. Und im schlimmsten Fall würden sie aus Läufelfingen abwandern. Und das, so ist das Referendumskomitee überzeugt, könne auch der Rest des Stimmvolks im Kanton nicht wollen.