Bei einem Projekt dieser Grösse und Tragweite, an dem zwei Kantone und zwei Spitäler über Monate gearbeitet haben, musste es fast so kommen: Ziemlich genau einen Monat, bevor die beiden Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (BS) und Thomas Weber (BL) die konkretisierten Pläne der gemeinsamen Spitalgruppe von Universitätsspital Basel (USB) und Kantonsspital Baselland (KSBL) präsentieren wollten, gelangte ein detailliertes Konzeptpapier am Dienstag via «Basler Zeitung» an die Öffentlichkeit.

Darin wird erstmals präzis aufgezeigt, wie die Spitalgruppe infrastrukturell aussehen könnte. Dabei handelt es sich aber, wie die Gesundheitsdepartemente beider Kantone auf Anfrage der bz bestätigen, erst um den Bericht, den die Projektgruppe von USB und KSBL erarbeitet und vor den Sommerferien an die Regierungen abgegeben hat. Olivier Kungler, Generalsekretär der Baselbieter Volkswirtschafts­ und Gesundheitsdirektion (VGD), spricht denn auch bloss von «Inputs der Spitäler». Diese würden nun noch im gegenseitigen Austausch geprüft, geschärft und vertieft. «Der Bericht der Regierungen, den wir vor den Herbstferien vorstellen werden, ist noch gar nicht erstellt.» Und Kunglers Basler Amtskollegin Dorothee Frei betont: «Die Regierungen werden noch über sämtliche Aspekte dieses Konzepts befinden.»

Dennoch ist klar: KSBL und USB standen bereits während der Ausarbeitung des Konzeptes im Austausch mit den Kantonsverwaltungen, weshalb die meisten Vorschläge gute Chancen haben dürften. Für Gesprächsstoff ist gesorgt: So soll die Tagesklinik für operative und interventionelle Eingriffe (Top), die das Bruderholzspital ersetzt, nun, wie schon länger angedacht, ein Bettenhaus mit rund 100 Betten erhalten. Dies, um auch ambulant eingelieferte Patienten falls nötig über Nacht dabehalten zu können. Zudem benötige die vorgesehene Rehabilitations­-Abteilung Betten. Gleichzeitig soll das Bruderholzspital für die ganze Gruppe zum Zentrum für Orthopädie werden.

Bisher nicht bekannt waren die Pläne, dass die Tagesklinik nur noch werktags geöffnet sein soll. Somit stünde auch fest, dass die 24­-Stunden­-Notfallstation auf dem Bruderholz aufgegeben werden soll.

Experte begrüsst die Pläne

Geht es nach den Spitälern, soll die Spitalgruppe zudem als Aktiengesellschaft aufgestellt und privatisiert werden. Aber auch sonst enthält das Konzeptpapier laut der «Basler Zeitung» mehrere Aspekte, die noch zu reden geben werden. Die beiden Regierungen und Spitalspitzen wollten am Dienstag freilich nicht Stellung nehmen und verwiesen auf die Präsentation Mitte September.

Äusserst gesprächig respektive empört zeigt sich dagegen das Initiativ­-Komitee «Ja zum Bruderholzspital», das die erweiterte Grundversorgung im stationären und ambulanten Bereich am Unterbaselbieter Standort des KSBL erhalten will. «Wir haben nichts gegen die Spitalgruppe an sich, aber die Innere Medizin und die allgemeine Chirurgie müssen auf dem Bruderholz bleiben», sagt Hans Kummer.

Der ehemalige Bruderholz­-Chefarzt warnt davor, die Notfallstation zu schliessen. Und eine 5­-Tage-­Woche für das komplette Spital hält er schlicht für nicht umsetzbar: «Es gibt immer Patienten, die am Freitag doch noch bleiben müssen. Die müsste man dann in ein anderes Spital verlegen.» Für Kummer ist klar: «Unsere Initiative muss vors Volk. Wenn die Pläne dort abgesegnet werden, akzeptieren wir das.»

Anders klingt es bei Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte beim Vergleichdienst Comparis: «Rein betriebswirtschaftlich sind das alles sinnvolle Vorschläge – und dringend notwendig.» So könne etwa mangelnde Versorgungsqualität kein Argument gegen die Schliessung des Basler Augenspitals oder gegen die Fokussierung der Orthopädie am Bruderholzspital sein. «Die Region Basel ist so kompakt, dass die zurückzulegenden Wege vernachlässigbar sind.» Die Orthopädie eigne sich zudem bestens für den Standort Bruderholz und eine Tagesklinik, da es jeweils gut planbare Eingriffe seien. Finanziell keine grosse Rolle spiele, ob das Spital fünf oder sieben Tage geöffnet hat. Schneuwly: «Entscheidend ist die Belegung.» Dafür würde man massiv Kosten sparen, wenn die Notfallstation zuginge.

Ein ganz anderer Stolperstein, den die beiden Basel noch überspringen müssen, kommt im Konzept der Spitäler nicht vor: Welcher Partner wie viel in diese «Ehe» einschiesse und wie die Vermögenswerte wie Immobilien bewertet würden, sei entscheidend, sagt der Binninger FDP­Landrat Sven Inäbnit: «Schliesslich hängt davon auch der jeweilige Einfluss der beiden Kantone in der Spitalgruppe ab.»

Diese Einschätzung teilt Beatriz Greuter, SP-­Grossrätin und Präsidentin der Gesundheits­ und Sozialkommission. Für sie ist sowieso klar: «Der Entscheid zur Spitalgruppe hat derart weitreichende Folgen auf die Bevölkerung und die Region, dass eine Volksabstimmung hierzu in beiden Basel zwingend ist.»