Seit Dienstag ist im Baselbiet wieder Abstimmungskampf. Und was für einer. Eigentlich wollte das Komitee der Bruderholzspital-Initiative bloss seine Argumente darlegen, weshalb das Stimmvolk am 21. Mai ein Ja einlegen soll. Dabei zeigte es sich sogar wandlungsfähig und passte seine Plakat-Kampagne an das Hauptargument der Gegnerschaft an, dass die Initiative ein «Fass ohne Boden» sei (bz berichtete). Doch Thema Nummer eins war etwas anderes. Just am Vorabend hatte der Vorstand der Ärztegesellschaft Baselland (AeGBL) einstimmig beschlossen, die Initiative abzulehnen. Für die Initianten ein Schlag in die Magengrube, rühmen sie sich doch stets, dass die Baselbieter Ärzteschaft hinter dem Erhalt des Bruderholzspitals steht.

Eichenberger: «Vorwurf ein Foulspiel»

«Der Vorstand der Ärztegesellschaft hat sich gegen die Basis gewendet», kommentierte Komitee-Mitglied Heinrich Schaefer im Liestaler Restaurant Kaserne. Der Binninger Arzt, der früher auch im Bruderholz gearbeitet hatte, war sichtlich zerknirscht. Kein Wunder, gehört er doch zum erweiterten Vorstand der AeGBL und wohnte der Abstimmung bei, ohne aber mitbestimmen zu können. Schaefer wirft dem 14-köpfigen Vorstand vor, die Parole ohne Rücksprache mit der Basis gefasst zu haben. Diese stehe nämlich weiterhin hinter der Initiative. Als Beleg dient ihm die Unterstützung der Initiative, die die GV der AeGBL einst ebenfalls praktisch einstimmig beschlossen hatte – Ende 2015. Ein neueres Gesamtvotum gibt es nicht.

Für Schaefer und seine Komitee-Kollegen Steffen Herbert, Hans Kummer, Ferdinand Martius und Stefan Isenschmid ist der Hauptschuldige schnell gefunden: «Auf Drängen des Präsidenten hat der Vorstand seine Meinung geändert.» Der Präsident heisst Tobias Eichenberger und ist ein Urologe aus Liestal, der als Belegarzt auch im Bethesda-Spital, im Merian Iselin und der Ergolz-Klinik arbeitet. Schaefers Kritik: «Er steht für die Privatspitäler ein, die bekanntlich das Bruderholzspital loswerden wollen.»

Von der bz mit Schaefers Angriff konfrontiert, die dieser selbst als «etwas bösen Vorwurf» bezeichnet, zeigt sich Eichenberger schwer getroffen: «Das ist in mehrfacher Hinsicht falsch, eigentlich ein Foulspiel. Ich kann meine verschiedenen Hüte trennen, das weiss Heini Schaefer genau.» Zudem sei nur eine absolute Minorität des Vorstandes überhaupt in Privatspitälern engagiert. Und selbst wenn, so ist für Eichenberger klar, dass es gar nicht im Sinne der Privatspitäler sei, sich gegen das Bruderholzspital zu stellen. «Die geplante Spitalgruppe beider Basel ist für die Privatspitäler schliesslich eine grosse Konkurrentin.» Eichenberger ist sich sicher, dass der Vorstand bei der Basis breit akzeptiert ist. Dass die Initianten nun auf den Mann spielen, werde er an der nächsten Vorstandssitzung thematisieren.

Kein Leimentaler im AeGBL-Vorstand

Was die Meinung der Basis zur Initiative angeht, so sagt er: «Ich bin überzeugt, dass unser Entscheid grossmehrheitlich von der Baselbieter Ärzteschaft unterstützt wird.» Ende 2015 sei man noch davon ausgegangen, dass auf dem Bruderholz bloss eine Tagesklinik für operative und interventionelle Eingriffe (Top) geschaffen werde. Nach intensiven Verhandlungen der AeGBL ist seit ein paar Monaten klar: Neu soll es einen «Campus Bruderholz» geben mit Tagesklinik, Reha, Orthopädie und Notfall-Permanence. Bereits an der GV vergangenen November habe die Basis das Projekt viel wohlwollender aufgenommen, meint Eichenberger. Nun zu versuchen, den Vorstand von der Basis zu entkoppeln, sei eine durchschaubare Taktik.

Allerdings: Zumindest die Leimentaler Ärzte, die die Entwicklungen des Hölzli am direktesten spüren, unterstützen die Initiative weiter. «Die Haltung des AeGBL-Vorstands lehnen wir zu weiten Teilen ab», sagt Paul Ruff, Co-Präsident des Ärztevereins Leimental. Der Oberwiler stellt denn auch «gewisse Spannungen» innerhalb der Ärztegesellschaft fest: «Die AeGBL sollte eigentlich alle Ärzte vertreten.» Tatsächlich zeigt ein kurzer Check der 14 Vorstandsmitglieder: Kein einziges ist im Leimental tätig, ein starker Fokus liegt auf Liestal und Umgebung. Eichenberger bleibt dabei: «Wir haben den Rückhalt der Basis. Wäre das nicht mehr der Fall, würden wir sicher unsere Konsequenzen ziehen.»