Bereits fünf Mal hat es die Oberwiler Gemeindeversammlung abgelehnt, die Langmattstrasse zu verlängern. Derzeit führt diese kommunale Strasse vom Kreisel mitten im Gewerbegebiet Mühlematt unter dem Tram durch und endet abrupt vor einem Feld. Als sie gebaut wurde, in den 1970er-Jahren, wollte der Gemeinderat sie weiterführen bis zur Therwilerstrasse. Das hätte eine Verbindung zwischen den östlichen und westlichen Talstrassen des Leimentals geschaffen – und genau das wünscht sich jetzt der Kanton.

In beiden Varianten der Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (ELBA) war die Verlängerung drin. ELBA wurde zwar vom Volk abgelehnt, doch die Langmattstrasse ist einer von jenen Teilen, an denen die Regierung festhält. Der Kanton wolle die Ortszentren von Oberwil und Therwil entlasten, das Gewerbegebiet Mühlematt und einige Wohngebiete erreichbarer machen sowie Tram und Strassenverkehr entflechten, sagt Urs Hess, Leiter Kantonsstrassen im Tiefbauamt.

Der Oberwiler Gemeinderat ist eher skeptisch. So bezweifelt Gemeinderat Christian Pestalozzi (Neue Liste Oberwil), dass die neue Strasse eine Abnahme des Verkehrs durch den Oberwiler Ortskern brächte. Die östliche Talstrasse sei sowieso schon überlastet. Deshalb werde kaum Verkehr von der westlichen Achse hinüberwechseln.

Gegen eine Übernahme und einen Ausbau der Langmattstrasse durch den Kanton werde sich der Gemeinderat nicht sträuben, hält Pestalozzi fest. Die Gemeinde werde dafür aber eine Entschädigung verlangen, auch wenn kaum mehr rausschauen werde als der Landpreis der Strasse. «Es entstünde ja eine Verbindung auf regionaler Ebene, nicht mehr auf kommunaler», so begründet er seine Forderung.

Therwil würde entlastet

Hess hingegen verweist auf das kantonale Strassenverkehrsgesetz, demnach eine solche Strassenübertragung «in der Regel entschädigungslos» erfolge. Er betont aber auch: «Das entbindet nicht von der Notwendigkeit, jeden einzelnen Fall konkret anzuschauen.» Zur Tatsache, dass die Oberwiler Gemeindeversammlung die Verlängerung eindeutig nicht will, meint Hess, man werde «im Rahmen des anstehenden Planungsverfahrens» eine Lösung finden. Diese sei «unter anderem aufgrund der nicht zu unterschätzenden Konflikte mit anderen Nutzungen in diesem Raum – Freizeit, Fuss- und Veloverkehr, Gewässer, Naturschutz – komplex.»

Offene Türen rennt der Kanton in Therwil ein. «Wir haben jedes Interesse, dass die Strasse gebaut wird», sagt Gemeindepräsident Reto Wolf (FDP). Von einer direkten Zufahrt von der Therwilerstrasse ins Gewerbegebiet Mühlematt erhofft er sich eine Entlastung für die Ringstrasse in Therwil, über die derzeit ein grosser Teil des Einkaufsverkehrs fliesse.

Anwohner sind kritisch

Ob das die Anwohner der zukünftigen neuen Kantonsstrasse so positiv sehen, darf man bezweifeln. Eine Verlängerung der Langmattstrasse war neulich im Rahmen der Revision des kommunalen Richtplans ein Thema. Als «Kompromiss», so Pestalozzi, habe die Gemeindeversammlung den Bau eines Abschnitts der Strasse genehmigt, zur Entlastung des Quartiers. Damit entsteht keine Verbindung zwischen den Talstrassen, wie sie der Kanton plant – und trotzdem haben Liegenschaftsbesitzer Einsprache erhoben. Es ist nicht anzunehmen, dass sie eine viel stärker befahrene Durchgangsstrasse vor ihren Fenstern dulden würden.

Und ob der Kanton seine Pläne umsetzen kann, dürfte nicht zuletzt an der Oberwiler Gemeindeversammlung hängen. Sie wird vermutlich entscheiden dürfen, ob der bereits existierende Abschnitt der Strasse verkauft wird.