Das lässt aufhorchen: Der Kanton Baselland hat die Radonkonzentration in Schulhäusern gemessen, will aber die Ergebnisse in der Antwort auf eine Interpellation der Landrätin Rahel Bänziger (Grüne, Binningen) nicht veröffentlichen: Laien könnten sie fehlinterpretieren. Wer sich für die Messdaten interessiert, könne sie im Hochbauamt einsehen.

Mit Radon ist nicht zu spassen: So sei das natürlich vorkommende, radioaktive Edelgas «nach dem Rauchen die wichtigste Ursache für Lungenkrebs», schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und rechnet mit 200 bis 300 durch Radon ausgelöste Krebsfälle pro Jahr: «Radon stellt den gefährlichsten Krebserreger im Wohnbereich dar.»

Grenzwert wird gesenkt

Durch Poren, Ritzen und Öffnungen dringt es geruchlos aus dem Boden in die Keller. Dort gelagerte Lebensmittel werden nicht kontaminiert. Atmet man das Gas aber ein, schädigt es die Lunge. Es kommt also darauf an, welcher Radon-Konzentration man wie lange ausgesetzt ist.

Gemäss BAG weist in beiden Basel einzig Rümlingen eine hohe Belastung auf. Einige Gemeinden sind mittel, die Mehrheit tief belastet. Doch steckt der Teufel im Detail: «Die Belastung unterscheidet sich von Haus zu Haus», erklärt der Baselbieter Kantonschemiker Peter Wenk. Deshalb habe man bei Schulhäusern und Kindergärten zuerst geprüft, welche Gebäude ein Radonproblem haben. Dafür habe man auch an schlecht belüfteten Stellen wie Elektrozentrale oder unter der Bühne der Aula gemessen. «Da fanden wir teilweise Konzentrationen, die über den Grenzwerten liegen», berichtet Wenk.

Diese Daten wolle der Kanton nur zusammen mit einer Erläuterung kommunizieren. «Sonst heisst es, dieses und jenes Schulhaus sei extrem belastet.» Dabei würden diese Spitzenwerte nur zeigen, dass man klären muss, wo das Radon ins Gebäude eindringt, welche Räume wie stark betroffen sind, und wie man den Bau sanieren kann.

Entscheidend für die Gesundheit sei aber, wie hoch die Konzentration in den Räumen ist, in denen sich Menschen aufhalten: Klassenzimmer, Werkräume, Büros. Bisher galt, dass für solche «bewohnten» Räume bei einer Strahlenmenge von 400 Becquerel pro Kubikmeter eine Sanierung empfohlen wurde, ab 1000 Becquerel war sie obligatorisch. Der Bund werde das Gesetz aber ändern und den Grenzwert für eine Sanierung – wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen – auf 300 Becquerel senken, berichtet Wenk.

Basel-Stadt war schneller

In zehn «bewohnten» Räumen fand man mehr als 300 Becquerel. Darunter waren zwei Klassenzimmer, beide am Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. Bei den anderen handelt es sich um Räume für textiles Werken, Töpfern, den Schulsozialdienst etc., die nur für wenige Lektionen genutzt werden. Werte über 1000 Becquerel fand man in «unbewohnten» Räumen. Bei der Messkampagne in Schul- und -Kindergarten-Anlagen von Gemeinde und Privaten hat man neun belastete Gebäude gefunden. Dies sei mit den Besitzern besprochen und die Sanierungen aufgegleist worden.

Landrätin Bänziger zeigt sich mit der Antwort der Regierung zufrieden, kritisiert aber, dass es im Baselbiet so lange gedauert habe: «Basel-Stadt hat den Schlussbericht zu den Messungen bereits 2005 veröffentlicht.»

Wenk betont dagegen: «Zu Hause halten sich die Kinder länger auf als in der Schule. Deshalb ist es nötig, auch in privaten Liegenschaften zu messen.»