Die Organisatoren des traditionellen Waldenburger Dreikönigstreffs aus Kreisen der Zunft zum Oberen Tor hatten dieses Jahr nicht so ein glückliches Händchen. Denn eigentlich, so informierte Co-Präsident Mike Mathys das Publikum am Freitagabend im Saal des «Leue» in Waldenburg, habe man die Umnutzung des Revue-Areals als positives Projekt präsentieren wollen. Doch im Herbst gingen dort die Lichter als Folge der Kündigung durch die Besitzerin aus. Was diese nun vor hat mit ihrer Industriebrache, weiss nicht einmal die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann.

Also suchten die Zünftler nach Alternativen und entschieden sich nebst dem Waldenburgerli-Ausbau in Niederdorf für die Vorstellung des Bikeparks in Hölstein, der Waldenburg Eagles und des Hochstamm-Förderprojekts Waldenburg. Alles im Tal bestens bekannte – und geschätzte – Projekte mit schon längerer Laufzeit. Entsprechend spärlich blieb der Publikumsaufmarsch, der mit rund 60 Köpfen so klein war wie nie an den Dreikönigstreffs der letzten Jahre. Und männiglich fragte sich im Saal, ob das Tal denn nichts Neueres an Positivbeispielen zu bieten hat.

Hat es. Nur einige Meter entfernt vom Saal mit dem Zunftanlass steht in der Küche von «Leue»-Wirt Marcel Blättler ein ganz spezielles Ding – ein sogenannter Foom Smoker. Dieses Hightech-Gerät dürfte Ende Monat den Blick der Gourmet-Welt auf sich ziehen, weil es am weltweit grössten Kochwettbewerb, der Bocuse d’Or in Lyon, zum Einsatz kommt.

Wie einer aus der Uhrenzeit

Blättler ist ein innovativer Typ, wie sie das Waldenburgertal schon seit der erfolgreichen Uhrenzeit im 19. Jahrhundert kennt. So war er auch einer der ersten in der Region, der sich der mittlerweile trendigen molekularen Küche widmete. Aus dieser Affinität stammt auch seine Idee, ein professionelles Gerät für die Räucherung von Speisen von Kartoffelstock bis Salaten, aber auch von Cocktails zu entwickeln.

Vor fünf Jahren begann er zusammen mit der Niederdörfer Firma Hans Kurt AG und dem Luftfahrtingenieur Tim Moser aus Langenbruck an einem Foom Smoker herumzutüfteln, seit drei Jahren sind die kleinen, elektronisch gesteuerten Geräte zu einem Preis von 1200 Franken zu haben.

Blättler und Co haben bis jetzt 100 gebaut und vor allem an Gourmet-Köche in der Schweiz, aber auch in Deutschland, Australien und Dubai verkauft. Blättler sagt: «Ich wollte den perfekten Rauch. Die Verbrennungstemperatur muss dabei so minimal sein, dass keine Bitterstoffe entstehen, sondern eine harmonische Note.» Sagts und demonstrierts an einem Amaretto vor: Blättler zündet am einen Ende seines Foom Smokers eine kleine Menge Kirschenholz-Sägemehl an, der Rauch zirkuliert durch das Gerät und wird über ein Rohr am andern Ende ins Trinkglas mit dem Amaretto geblasen.

Dort lässt man ihn ein wenig einwirken, bläst ihn mit einem Atemzug weg und fertig ist der geräucherte Amaretto mit dezentem Kirschen-Gout. Aber davon erfährt an diesem Abend das Dreikönigstreff-Publikum nichts.

Dafür legen sich im «Leue»-Saal die Macher hinter den von der Zunft auserkorenen Projekten ins Zeug: Simone Wisler schildert den sieben Jahre alten Bikepark mit Hindernisparcours und Pumptrack, einer künstlich geschaffenen Hügellandschaft, als ein gelungenes Beispiel der Breitensportförderung: «Er ist zu einem Mekka für Bikerfamilien geworden.»

Ein Abbild davon haben die Waldenburg Eagles seit ihrer Gründung vor 23 Jahren am oberen Talende in Sachen Unihockey geschaffen. Sportchef Michael Spitteler kann von einem Mannschaftsbestand von sieben Herren-, zwei Damen- und drei Plauschteams berichten.

Und Beat Feigenwinter hat mit seiner Crew in den letzten 20 Jahren in Waldenburg eine Trendwende bei den Hochstamm-Obstbäumen erzielt: Diese nehmen nach Jahrzehnten des Rückgangs dank Neupflanzungen, Pflege und Mostaktionen wieder zu. Allen Projekten ist gemeinsam, dass sie erfolgreich Nachwuchs rekrutieren, treue Sponsoren im Rücken haben und von den Standortgemeinden unterstützt werden.