Eine passendere Aufgabe hätte es für Nadine Stäuble nicht geben können. Als der frisch gebackene Lehrling des Jahres am Tag nach der Preisverleihung zur Arbeit erscheint, bekommt die Polydesignerin 3D den Auftrag, den roten Teppich vor dem Haupteingang auszulegen. Der Samtbelag soll Käufer zwar nicht auf die Lehrlingstochter, sondern auf eine Rabattaktion für Lego aufmerksam machen. Doch der Star des Tages ist die 20-jährige aus Pfeffingen.

Nadine Stäuble umringt von der Zweitplatzierten Alina Thommen und dem Dritten Tobin Meyers

Nadine Stäuble umringt von der Zweitplatzierten Alina Thommen und dem Dritten Tobin Meyers

An der Preisverleihung am Dienstagabend gewinnt Stäuble auf der Bühne in der Messe Basel das Live-Spiel Montagsmaler. Es ist die letzte von zehn Challenges, welche die zehn Bewerber auf ihrem Weg zum Lehrling des Jahres absolvieren mussten. Wenig später verkündet die Jury den Namen der Gewinnerin: Nadine Stäuble.

Der Lehrling des Jahres Nadine Stäuble stellt sich vor

Ihren Erfolg hat sie auch am Tag danach noch nicht realisiert. Bis spät in die Nacht feiert sie, mit Freunden, Familie und Ausbildnern. «Ich wollte mit dem Preisgeld von 2017 Franken eigentlich einen ausgeben, aber ich durfte am ganzen Abend nichts zahlen», sagt Stäuble. Als die Gesellschaft aus der Messe vertrieben wird, weil diese schliessen will, wird kurzerhand in der Bar Rouge weitergefeiert. Papa Philipp verabschiedet sich als erster, aber nur, um zu Hause eine Überraschung vorzubereiten. Als Nadine Stäuble später nachkommt, findet sie auf dem Herd in der Küche Fotos und Blumen vor. «Gekocht werden, kann jetzt leider nicht mehr», sagt sie und lacht.

Die Bewerbung kommt nicht an

Dass Stäuble überhaupt bei der Manor landet, verdankt sie einem Zufall. An einem Schnuppertag während der Schulzeit bekommt Stäuble einen Blick hinter die Kulissen der Manor. Dort sieht sie all die Ausstellungsgegenstände, die Mannequins und das viele Material. Für die Schülerin ist sofort klar: Da will ich arbeiten. Weil bei der Bewerbung für die Lehre bei der Manor aber ein Eignungstest eingefordert wurde, ist Stäuble etwas spät dran. Als sie dann endlich ihre Bewerbung abschickt, kommt die Mail direkt zurück. Die angegebene E-Mail-Adresse gibt es nicht mehr. Doch Stäuble kennt die Tochter des damaligen Manor-CEOs Bertrand Jungo. Der nennt ihr dann eine direkte Mailadresse. Obwohl der Ausleseprozess schon weit fortgeschritten ist, kommt Stäuble spontan zu einem Telefoninterview und darf wenig später erneut im Betrieb schnuppern. Kurz darauf erhält sie die Zusage.

Seit zwei Jahren gehört Stäuble zum 13-köpfigen Team, dass bei der Manor für die Gestaltung der Verkaufsflächen und der Schaufenster verantwortlich ist. Am meisten Spass macht der jungen Frau die Arbeit mit den Schriftzügen. Am Computer gibt sie der Schneidmaschine den Auftrag. Diese spuckt wenig später eine Art Sticker aus, den Stäuble dann akribisch an den Schaufenstern anbringt. Auch das Styling der Schaufensterpuppen oder das Herrichten der Betten gehört zu ihren Lieblingsaufgaben.

Im nächsten Jahr wechselt Stäuble von der Abteilung Home und Haushalt zu den Damen. Ausbildnerin Florence Frey ist voll des Lobes: «Nadine ist ein Gewinnertyp. Ihr Ehrgeiz hilft ihr auch im Berufsalltag.» Stäuble erwidert: «In der Schule und im Geschäft bin ich ein Perfektionist. Nur daheim in meinem Zimmer herrscht Chaos.»

Auch im Elternhaus in Pfeffingen hilft Stäuble bei Renovierungsarbeiten oder bei der Dekoration des Weihnachtsbaums gerne mit. Die Kugeln für dieses Jahr hat sie gemeinsam mit Mama Rita bereits ausgewählt. Stäuble ist froh, wenn sie nach der Arbeit in der Stadt wieder nach Hause aufs Land fährt. Daheim ausziehen will sie erst, um mit ihrem langjähriger Freund zusammenzuziehen. Doch der hat den roten Teppich bisher noch nicht ausgelegt.