Er wirkt wie eine stille Oase aus einem andern Zeitalter inmitten eines hektischen Umfelds mit steten Veränderungen – der Liestaler Friedhof. Jetzt soll auch er Neuerungen erfahren, wenn auch in homöopathischen Dosen. Der Wunsch nach Veränderungen ist offenbar verbreitet, sagte doch kürzlich Stadtrat Daniel Spinnler (FDP) im Liestaler Ortsparlament zur umtriebigen Einwohnerrätin Vreni Wunderlin (GLP), sie renne mit ihrem Friedhof-Vorstoss offene Türen ein. Wunderlin regte eine Neugestaltung mit einer neuen Form von Urnengräbern an.

Hauptgrund für den Änderungswillen ist der Wandel bei der Vorliebe nach den verschiedenen Bestattungsarten: Von den jährlich rund 90 Beerdigungen in Liestal fielen vor 20 Jahren knapp je ein Drittel auf Erdbestattungen und auf Bestattungen im Gemeinschaftsgrab. Heute ist der Anteil der Erdbestattungen noch halb und jener der Bestattungen im Gemeinschaftsgrab fast doppelt so gross. Konstant mit rund 20 Prozent war in diesem Zeitraum die Beisetzung im Urnengrab, während der Wunsch nach einem Urnennischengrab in der Friedhofwand stark gesunken ist. Wegen dieser Entwicklung liegt heute eine ansehnliche Fläche des 13 800 Quadratmeter grossen Friedhofgeländes brach.

Urnengrab mit wenig Aufwand

Spinnler will nun Neuerungen subtil angehen und zuerst mit diversen betroffenen Kreisen von den Landeskirchen über Senioren für Senioren, der Pro Senectute bis hin zum Liestaler Alt-Stadtpräsidenten Marc Lüthi an einen Tisch sitzen; Letzterer soll als Chef des Basler Friedhofs Hörnli als Fachmann befragt werden. Zu diesem Prozess sagt Spinnler: «Ich will wissen, welche Bedürfnisse vorhanden sind und was gestalterisch in einem öffentlichen Friedhof machbar ist.» Er selber könne sich eine neue Form von Urnengräbern mit wenig Pflegeaufwand für die Angehörigen und selbstauflösenden Urnen vorstellen.

Spinnler fügt an, dass auch die momentan eher mangelhafte Beleuchtung der Fusswege näher angeschaut werden soll und dass er gerne den Impuls von grüner Seite im Einwohnerrat nach einer Steigerung der Biodiversität auf dem Friedhof aufnehme. Zum Ziel der ganzen Neugestaltung sagt der Stadtrat: «Mir ist am wichtigsten, dass wir eine gute Lösung für alle Anspruchsgruppen und weiterhin einen schönen Friedhof haben. Wichtig ist mir zudem, dass unsere Gärtner Freude haben, hier zu arbeiten.»

Als marginale Anspruchsgruppe haben sich übrigens die Muslime erwiesen: Als Spinnlers Vorvorgängerin vor zehn Jahren für sie eigene Grabfelder auf dem Friedhof ausschied, ging ein veritabler Sturm durch die Medien. Mittlerweile haben sich gerade mal drei Personen hier bestatten lassen.

Grabesruhe könnte länger werden

Auf der andern Seite der Wichtigkeits-Skala bei Fragen rund um den Friedhof steht in Liestal die reformierte Kirche. Deren Vertreter Pfarrer Andreas Stooss wünscht sich vor allem eine neue Art von Gemeinschaftsgrab, weil sich die Bedürfnisse geändert hätten: «Es sollte ein Zwischending zwischen einem persönlichen Urnengrab und dem Gemeinschaftsgrab sein – persönlich und doch möglichst ohne Aufwand für die Hinterbliebenen.»

Das bestehende Gemeinschaftsgrab ist für Stooss hingegen «grenzwertig», weil die Asche der Verstorbenen in einem grossen Behälter wenig würdevoll zusammengegossen werde. Auch diskussionswürdig ist für Stooss eine Verlängerung der Grabesruhe, die derzeit bei den meisten Grabarten 25 Jahre dauert. Dies, weil der Platzdruck auf dem Friedhof mit dem Rückgang der Erdbestattungen kleiner geworden ist. Stooss sagt dazu: «Die Aufhebung von alten Gräbern bewegt die Leute schon. Zu unserem kürzlich abgehaltenen Gedenkgottesdienst zur Aufhebung von 120 Gräbern sind etwa 200 Personen gekommen.»

Wie Spinnler schätzt auch Stooss den Liestaler Friedhof, wie er heute daherkommt: «Das ist eine eigene, schön gestaltete, parkähnliche Welt und trotzdem zentral. Der Friedhof ist aber auch Schulweg für Kinder und Teil des öffentlichen Raums.»

Der Stadtrat will nun im nächsten Jahr die Neukonzeption des Friedhofs aufgleisen und dann ab 2018 umsetzen, wobei der Einwohnerrat den Kredit in noch unbekannter Höhe dafür vorgängig genehmigen muss.