Auch wenn er schon seit 1985 Chienbäse-Träger ist und etwa 20 Jahre das Anzünden der Chienbäse und Feuerwagen koordiniert: Für Jaro Kubicek ist der diesjährige Chienbäse-Umzug in Liestal eine Premiere. Er amtet erstmals als Chef.

Diese Aufgabe übernahm er von Ueli Steiner, der während fünf Jahren Chienbäse-Verantwortlicher gewesen war. «Letzten Sommer wurde ich in stiller Wahl und in Abwesenheit gewählt, weil ich vermutlich der einzige übrig gebliebene Kandidat war», lacht Kubicek. Er habe vorher zugesagt und geahnt, dass es so weit kommen würde. Danach habe ihm Steiner angerufen und gratuliert mit den Worten: «Du bist der neue Chienbäse-Chef.» Jaro Kubicek meldete sich für den Posten, weil er befürchtete, es könnte jemand ohne Erfahrung übernehmen.

«Ich weiss, wie der Hase läuft»

Der 56-Jährige hat einen verantwortungsvollen Job. Als Chienbäse-Chef beaufsichtigt er die Arbeiten der Chienbäseler. Die Besen müssten schön und gut gebaut sein. Dies reduziert das Risiko während des Umzugs. Kubicek ist in Kontakt mit Behörden, muss das Holz zum Entzünden bestellen. Bei der Koordination am Start der Umzugsroute auf der Burg schickt er dann in regelmässigen Abständen Chienbäse-Träger und Feuerwagen-Equipen auf die Strecke. «Ich weiss, wie der Hase läuft.» Mit gegen 350 Chienbäse und 15 Wagen hat der Umzug eine maximale Grösse erreicht. Mehr erträgt er nicht.

Jaro Kubicek wird vom diesjährigen Chienbäse-Umzug nicht viel mitbekommen. Er konzentriert sich auf seine neue Aufgabe und nimmt deshalb nicht aktiv teil. «Sonst setze ich mich nur unter Stress», begründet der Bubendörfer, der überzeugt ist, dass der Feuerbrauch von den Trägern her sicher ist. Die Besen seien weniger gefährlich als die Wagen, auch wenn diese dreimal von Fachleuten genauestens kontrolliert werden: zwei Wochen vor dem Umzug in leerem Zustand, vollgeladen am Tag zuvor und unmittelbar vor dem Anzünden. Auch die Chienbäse werden gleich vor dem Umzug nochmals inspiziert. Die Organisatoren müssen für die Sicherheit garantieren, damit das Fasnachtskomitee für seine Anlässe die Bewilligung erhält.

«Wir reden den Teilnehmenden immer wieder ein, dass sie den Umzug mit dem nötigen Respekt bestreiten und nicht fahrlässig werden sollen. Alkoholisierte Träger haben nichts verloren», stellt Kubicek klar und fügt bei: «Kommt einer im Zick-Zack die Burg hoch, schicken wir ihn im Zick-Zack zurück – aber ohne Bäse.»

Der Chienbäse-Chef verhehlt nicht, dass er während des Umzugs Bammel haben wird. Er hofft, dass alles reibungslos über die Bühne geht. Man sei immer froh, wenn alle gesund wieder zurückkämen. «Wenn mal etwas passieren sollte, dann ist die Frage, wie die Stadt Liestal reagieren würde», meint er. Es gebe Gegner wegen des Rauchs oder der Lichtverschmutzung. Gewisse Leute warteten darauf, bis etwas passiere und der Umzug verboten würde.

Neu dieses Jahr ist die Rathausstrasse, die 2017 saniert worden ist und nun über keine Trottoirs mehr verfügt. Laut Jaro Kubicek ist es Sache der Sicherheitsleute, dass sie das Publikum darauf hinweisen und nicht zu viele Leute ins Stedtli lassen.

Fasnächtler durch und durch

Der 56-jährige Bubendörfer möchte etwa fünf Jahre Chienbäse-Chef bleiben. Dieser muss seine Nachfolge jeweils selber suchen. Das ist die Auflage des Fasnachtskomitees Liestal (FKL). Der Hauptverantwortliche des Chienbäse-Umzugs ist stets FKL-Mitglied.

Der bei einer grossen Versicherung in Bern tätige Wirtschaftsinformatiker macht seit gut drei Jahrzehnten Fasnacht. Kubicek startete in einer Wagenclique, die er 25 Jahre präsidierte. Ein Mitglied davon animierte ihn bald, einen Chienbäse zu bauen. Und Kubicek packte es gleich. Während zehn Jahren war er zudem als Schnitzelbänkler mit einer Gruppe unterwegs. «Das waren strenge Fasnachtstage», blickt er zurück. Den Chienbäse-Umzug bezeichnet der neue Chef als «phantastisch, genial und einmalig».

Für eine weitere Premiere am diesjährigen Umzug sorgt Daniel Spinnler. Mit ihm trägt erstmals ein amtierender Liestaler Stadtpräsident einen Feuerbesen.