Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Gemeinden Oberwil und Aschau im Zillertal lassen sich nur sehr schwer erkennen. Auf der einen Seite eine infrastrukturell gut aufgestellte Agglo-Ortschaft mit rund 11 000 Einwohnern, von der aus man in wenigen Minuten in der Stadt Basel ist. Auf der anderen ein 182O-Seelen-Dorf im tiefsten Tirol, das noch immer grösstenteils von der Landwirtschaft und dem Tourismus lebt.

Trotz der grossen Unterschiede sind die 328 Kilometer Luftlinie voneinander entfernten Dörfer seit 1989 durch eine Gemeinde-Partnerschaft miteinander verbunden. In den Achtzigerjahren war es Mode, sich mit ausländischen Gemeinden zu verschwistern. Der Trend machte auch vor Oberwil nicht Halt, wo eine Partnerschaftskommission ins Leben gerufen wurde, die eine entsprechende Gemeinde bestimmen sollte. «Uns war schon bald klar, dass Aschau im Zillertal das Rennen machen wird», erinnert sich Christian Kunz, welcher der Kommission von Beginn an angehört und sie seit einigen Jahren präsidiert. Zu gross seien die schon existierenden Bande zwischen den beiden Dörfern gewesen.

Holzfäller lebten in Waldhütte

Seit den Sechzigerjahren waren immer wieder Holzfäller aus dem Tiroler Bauerndorf nach Oberwil gekommen, um im Winter zu holzen. Jedes Jahr verbrachten sie einige Monate im Baselbiet, bevor sie im Frühling in die Heimat zurückkehrten. Obwohl es im Zillertal genug Arbeit gab, machten die höheren Löhne die Schweiz attraktiv. Zumal österreichische Fachkräfte in ihrem westlichen Nachbarland, dessen Bedarf an Arbeitskräften die Möglichkeiten überstieg, einen guten Ruf hatten.

Im Oktober des Jahres 1963 machten sich erstmals drei Aschauer auf den Weg nach Oberwil. Sie übernahmen den Holzschlag in den Bürgergemeindewäldern, für den sie die Bürgergemeinde Oberwil bezahlte. «Zuerst wurden die auswärtigen Forstarbeiter im ehemaligen Milchhüsli an der Bahnhofstrasse einquartiert. Dieses war als Notunterkunft gedacht, bis das alte Schöpfchen im Wald umgebaut war», heisst es in einer Festschrift zum 25-Jahr-Jubiläum der Partnerschaft. In der Folge lebten die Holzfäller in einer Waldhütte.

Der Holzfäller Max Lanthaler, der während einigen Jahren im Oberwiler Wald tätig war, spricht im Jubiläumsband von langen Arbeitszeiten: «Gearbeitet wurde vom Morgengrauen bis spät in die Nacht, auch samstags.» Aber auch das Zwischenmenschliche hinterliess bei ihm einen bleibenden Eindruck: «Ein Grenzwächter hat uns öfters in der Holzhütte besucht, und wir hatten oft gesellige Abende.» Im Verlauf der Siebzigerjahre zogen sich die österreichischen Holzfäller allmählich aus Oberwil zurück.

Was blieb, waren viele Freundschaften zwischen Aschauern und Oberwilern, die in der Verschwisterung der beiden Gemeinden kulminierten. Noch heute besuche man Aschau jedes Jahr, sagt Christian Kunz. Diesen Sommer fährt er zusammen mit anderen Oberwilern mit dem Bus ins Zillertal, wo sie ein Wanderweekend verbringen. Die Sportschützen Oberwil tragen jeweils ihr Trainingslager in Aschau aus.

Mit dem Gemeindeverwalter und dem Bürgermeister des österreichischen Dorfes steht die Kommission in regelmässigem Austausch. Vom neuen Oberwiler Gemeindepräsidium wünscht sich Kunz eine Pflege der Partnerschaft mit Aschau im Zillertal. Auf dass der Kontakt mit dem lauschigen Bauerndorf nicht eines Tages abbricht.