Der erste Akt ist getan, vergangene Woche wurde die Predigerhof AG gegründet. Der zweite steht kurz bevor; die Unterzeichnung eines Vorvertrags zum Kauf gleichnamigen Restaurants samt Umschwung und Remise auf dem Bruderholz. Der dritte Akt, eine Geldsammelaktion, ist in Vorbereitung. Das Ziel ist ein Eigenkapital von rund einer Million Franken, um mit Drittmitteln die Gesamtkosten von 2,5 Millionen Franken stemmen zu können.

Felix Kössler, Reinacher Sanitär- und Heizungsunternehmer, ist Präsident der Predigerhof AG. Er sagt, es tue einfach weh, zu sehen, wie der wunderschöne Ort auf dem Bruderholz brachliege. Seit zwei Jahren ist das Restaurant geschlossen, der Garten abgesperrt. Das Wirtepaar Brunner hatte nach 25 Jahren aufgegeben, aus Alters-, aber auch aus betrieblichen Gründen. Die Beiz im Besitz einer Erbengemeinschaft hatte immer weniger abgeworfen.

Ein Projekt für Barbara Buser

Mit seinen nostalgischen Gefühlen ist Kössler nicht alleine. So gehe es vielen Leuten, die wie er ihre Jugend beim oder um den Predigerhof verbracht hätten. Eine Gruppe von etwa sieben Personen habe sich deshalb vor einem halben Jahr zusammengefunden, um ein konkretes Projekt zu entwickeln. Mit dabei ist Barbara Buser, die mit dem Gundeldingerfeld, der Markthalle und weiteren Würfen erfahrenste und erfolgreichste Umnutzerin der Region ist.

Der Firmenzweck umschreibt das künftige Programm des Predigerhofs. Kernstück ist der Gastronomiebetrieb, in dem lokale und einfache Produkte angeboten würden. Dabei sollen auch Menschen mit psychischen und physischen Beeinträchtigungen beschäftigt werden. Diese wären nicht nur in Küche und Service gefragt, sondern auch für die Umgebungsarbeiten. Denn Bestandteil des Konzepts ist ein Schau- und Lehrgarten in Kooperation mit pro Natura oder pro Specie Rara. Ausserdem eine Kleintierhaltung für naturnahe Landwirtschaft, was einem Streichelzoo gleichkommt. Ein Hühnerhaus steht bereits auf dem 5500 Quadratmeter grossen Areal. Mit den benachbarten Bauernhöfen wird eine Fruchtverwertungsgenossenschaft angeregt. Dabei geht es um das Mosten und Pasteurisieren von Früchten. Verwertung beinhalte jedoch auch das Trocknen, Einfrieren, Einpökeln, Salzen oder Säuern von Obst.

Ausfahrt für die Kutschen

Eine besonderer Zweck ist für die Ökonomiegebäude vorgesehen. Darin könnte eine Kutschenremise und ein Pferdestall für Kutschenfahrten bereitgestellt werden. Kössler bestätigt erste Kontakte mit dem Verein Hü, der seit der Schliessung des Kutschenmuseums in Brüglingen keine Plattform mehr hat. In der Remise werde es aber kein Museum geben, präzisiert Kössler. Einzelne Wagen könnten aber dort parkiert und auf dem Bruderholz in Fahrt gebracht werden.

Die Einbindung verschiedener Communitys trägt die Handschrift von Barbara Buser. So werden für die Finanzierung nicht nur ein kleiner Zirkel vermögender Personen angesprochen, sondern mit einer Crowdfunding-Aktion weitere Kreise angesprochen. Kössler nennt als Beispiel «Genuss-Scheine». Wer solche zeichne, soll für diesen Betrag im Restaurant konsumieren können.

Rentabel aber gemeinnützig

Kössler stellt klar, dass der Betrieb sich rechnen, aber keinen Gewinn abwerfen muss. Mittelfristiges Ziel sei es, dass die Predigerhof AG von den Steuerbehörden den Status einer gemeinnützigen und deshalb steuerbefreiten Firma erhält. Das Baselbieter Handelsregisteramt hat sich bisher solchen Ansinnen verweigert, steuerbefreite Aktiengesellschaften einzutragen. Deshalb haben die Initianten ihre Firma in Basel-Stadt angemeldet. Dessen Handelsregisteramt hat mit der Zoologischen Garten AG, der Beyeler Museum AG und der Kunstsammlung Anthax AG zumindest schon drei Firmen die Gemeinnützigkeit attestiert. Offizielles Domizil der Predigerhof AG ist die Denkstatt Sàrl von Barbara Buser.

Nach den Sommerferien startet die Sammelaktion. Kommt genug Geld zusammen, geht der Kauf des Areals Ende Jahr über die Bühne, sagt Kössler. Wann genau im Verlauf des kommenden Jahres die Neueröffnung des Predigerhofs erfolgt, ist noch offen.