22 Wagen, 15 Guggenmusiken, fünf Cliquen und 15 Schissdräggzygli – die Reinacher Fasnacht präsentierte sich auch 2015 wieder bunt und reichhaltig. Bei schönstem Frühlingswetter ziehen die Formationen durch den Dorfkern und über die neu gestaltete Hauptstrasse, die von viel Volk gesäumt ist. Nach der Kinderfasnacht am Donnerstag und dem Vorspiel am Freitag zeigt sich Frau Fasnacht in ihren schönsten Kleidern. Mal protzig, mal witzig und immer – trotz der ernsten Themen – gut gelaunt.

Neben den Sparzwängen geht es um die Fusion beider Basel und das OSZE-Ministertreffen. Aber auch das untergegangene Hallenbad, die modernisierte Hauptstrasse sowie gesellschaftliche Themen wie die Jugendsprache und der Selfie-Hype beschäftigen die Fasnächtler. Und sind den Zuschauern genug Räppli in Haare und Nacken gedrungen, haben sie vom vielen «Waggis!»-Rufen eine trockene Kehle oder brauchen einfach mal eine Pause, so gibt es im Hintergrund etliche Verpflegungsstände, die verführerisch dufteten.

Gleich als zweite Formation gehen die Nuscheli Waggis aufs Sparen ein. «Kasse leer!» und «Müssen Betteln?» weisen auf die Betroffenheit und die Befürchtungen der Fasnächtler hin. Deluxe 09 fahren mit einem schmucken Krankenwagen vor und klagen:

An de Schuelhüüser duet Rynach spare,
Für d Bildig muesch bald ins Usland fahre!
Auch die Feuerwehr findet Erwähnung: Die Oserclique, die per Tatütata daherkommt, titelt:

E Gmeindsbrief het uns informiert,
s Führwehrreglement isch revidiert.
Rynach muess meh Kohle ha,
drum müemer jetz bis 50 dra.

Angesichts der leeren Kassen fragen sich die Zünftige:

E Stadtfest im Herbscht, das will me ha,
wer will das zaale? Ha, ha, ha!

Zum Glück gibt es noch die Behämmerte. Denn die haben ein denkbar einfaches Rezept gegen die Sparwut aller Orten:

Drum, mach’s wie mir und hör uf motze.
Gib s Gäld uss, due richtig protze!

Unter dem Titel «Wämmer oder wänn dr nit?» thematisieren die Baby-Sitter Waggis die Fusionierungspläne der beiden Basel, sie finden aber:
Mir Baselbieter, sin mr ehrlig, chämme drbii viel z kurz,
drum wäri die Fusionierig au dr gröschti Furz!
Die Granate-Schnägge erinnern sich an eine besondere Konferenz im Dezember vergangenen Jahres:

Nach em Ässe in dr Safranzunft,
rede sii über unseri Zuekunft.»

Die betrifft vor allem die Jugendlichen. Deren Sprache widmen sich die Gschrubte:
D Sprooch duet sich wandle, chasch’s nid überhöre,
aber vor allem verarmt si – das duet mi störe.

Dem schliessen sich die Nochwuchs Waggis Birsegg mit ihrer Selfolution an:

Uff de Selfies gsehsch alles Affe,
wo dumm gaffe.

Wirklich Zeit für Selfies hat an diesem tollen Fasnachtsnachmittag aber niemand. Zu mitreissend spielen die Guggen, zu schön sind die Larven, zu sehr fliegen Räppli und Waggis. Rynacher Fasnacht – bis nächstes Jahr!