Der «Sarah-Jane-Graben» steht seit der Abstimmung über die Theatersubventionen 2011 für die Unterschiede zwischen dem Ober- und dem Unterbaselbiet. Es ist derselbe Graben der Hochkultur (Theater) und Volksmusik (Sarah Jane) trennt.

Ein Jahr später reichte der heutige Juso-Präsident und damalige Gymnasiast Jan Kirchmayr, seine Maturarbeit mit dem Thema «Stadt-Land-Gefälle in der Baselbieter Politik» ein. Dabei fand Kirchmayr heraus, dass sich der Graben bei Liestal und Angenstein-Duggingen befindet. Mithilfe von Statistiken des Abstimmungsverhaltens der Baselbieter Bevölkerung des letzten Jahrzehnts ist Kirchmayr aber auch zur folgenden Erkenntnis gekommen: «Die Fusionsinitiative hat eine Chance, denn der Graben zwischen Stadt und Land hat sich in den letzten acht Jahren aufgeweicht und wird sich noch weiter aufweichen.» Die Maturarbeit liefert vor der Abstimmung über die Fusionsinitiative vom 28. September wichtige Erkenntnisse.

Ländliche Gemeinden stimmen je länger, je mehr für den Fortschritt

In den frühen 2000er-Jahren stimmten grosse Teile des Oberbaselbiets und des Laufentals vielmals gegen Veränderungen. Bis zum Jahr 2011 hat sich dieses Bild gewandelt. Ein Grossteil der Oberbaselbieter Gemeinden und des Laufentals stimmen heute bei politischen Entscheidungen fortschrittlicher und öfter für Veränderungen. Kirchmayr glaubt, dass dieser Wandel damit zusammenhänge, dass viele städtisch orientierte und denkende Menschen in den letzten Jahren gezwungen gewesen waren aufs Land zu ziehen – aufgrund der steigenden Immobilienpreise in Basel-Stadt. Er fügte hinzu, dass grüne Bewegungen in Sissach und Liestal ihre Spuren hinterlassen hätten und so die politische Meinung der Bevölkerung verändert worden wäre.

Je weiter die Gemeinde von der Stadt entfernt ist, desto konservativer ist die Bevölkerung eingestellt

Obwohl die Position des gesamten Baselbiets in den letzten Jahren liberaler geworden ist, ist noch immer eine konservativ eingestellte Bevölkerung in den äusseren Teilen des oberen Baselbiets auszumachen. Kirchmayr begründet die Entwicklung mit dem Untergang der Schweizer Demokraten in Baselland, dem Aufkommen der neuen Mitte-Parteien und den liberaler werdenden, traditionellen Parteien wie zum Beispiel die CVP, FDP und die Grünen.

Der «Sarah-Jane-Graben» ist weniger tief, aber es gibt ihn noch

Die politisch rechte Einstellung ist auf dem Land noch immer auszumachen, auch wenn seit 2003 deutlich mehr Gemeinden im Oberbaselbiet eine Tendenz nach links verzeichnen. Wenn man die verschiedenen Statistiken miteinander vereint, kann ein Graben im Ergolztal bei Liestal und im Birstal im Bereich Angenstein-Duggingen lokalisiert werden, jedoch ist die Tiefe weitaus geringer als früher.

Der Graben hat eine negative Auswirkung auf die Kultur in Basel

Wie die Theaterabstimmung 2011 zeigte, leiden besonders kulturelle Einrichtungen der Stadt an dem Stadt-Land-Graben. Obwohl das Theater von vielen Baselbietern mitgenutzt wird, fanden Subventionserhöhungen bei vielen ländlichen Gemeinden keine Unterstützung. In Hemmiken stimmten gerade mal
15 Prozent für den 17-Millionen-Kredit aus Baselland. Hingegen stimmten in Arlesheim 67 Prozent dafür. Insgesamt wurde die Initiative nur knapp von der Baselbieter Bevölkerung abgelehnt.

In Bundesbern hätte ein vereinigter Kanton ein grösseres Gewicht

Während das untere Baselbiet einen stärkeren Bezug zur Stadt hat, fokussiert sich das Oberbaselbiet auf Liestal. Der Kanton ist allein durch diese beiden unterschiedlichen Bezugspunkte gespalten. Mit einem vereinigten Kanton könnte die Macht konzentriert und damit das politische Gewicht der beiden Basel in Bern erhöht werden, resümiert Kirchmayr.