Regelmässig reiben sich Spazierende am Rheinufer in Muttenz verwundert die Augen. Stand da nicht immer ein Steg, der über die Gleise zur Schiffstation Waldhaus führte? Und wie kommt man jetzt von der Station zum Restaurant?

Auch wenn es noch heute für überraschte Gesichter sorgt: Eigentlich ist der Steg schon lange weg. Die Passerelle über die Bahngleise wurde schon im Mai 2016 abgebaut. Und zwar endgültig, ein neuer Steg ist nicht geplant. Die Leidtragenden sind die Spaziergänger, denen nun eine Abkürzung fehlt. Sie müssen einen längeren Spaziergang über den regulären Bahnübergang in Kauf nehmen, um von der Anlegestelle zum Restaurant Waldhaus oder zu einer Bushaltestelle zu gelangen.

Die Passerelle wurde abgebaut, weil die Konstruktion aus Stahl und Holz zu alt geworden war. «Es war ein Sicherheitsrisiko, der Steg war völlig verrostet», erklärt Simon Oberbeck von den Schweizerischen Rheinhäfen, denen die Passerelle gehörte. Eine Projektgruppe versuchte in den Monaten vor und nach dem Abbau, eine Lösung zu finden. Dazu gehörten Vertreter der Bürgergemeinde der Stadt Basel als Grundeigentümerin, der Gemeinde Muttenz als Vertreterin der Bevölkerung, der Basler Personenschifffahrtsgesellschaft als Vertreterin der Schifffahrtsgäste sowie der Schweizerischen Rheinhäfen und Hafenbahn Schweiz AG als Eigentümer der Passerelle.

Zu teuer und zu viel Aufwand

Die Projektgruppe prüfte verschiedene Möglichkeiten, wie ein neuer Übergang gebaut werden könnte. Schlussendlich scheiterten sie alle an den Kosten und dem Aufwand. Mehrere 100 000 Franken hätte ein neuer Übergang gekostet, damit er den Regeln des Behindertengleichstellungsgesetzes entsprochen hätte. Es hätte einen Lift gebraucht, und der Waldweg hätte ausgebaut werden müssen. Schliesslich fiel der Entscheid: Es soll keine neue Brücke geben. Jelena Dobric von den Rheinhäfen: «Die Neubauidee wurde eingestellt, weil der behindertengerechte Ausbau an diesem Ort mit einem umfangreichen baulichen Eingriff in den Wald einhergegangen wäre. Die geringe Frequenz hätte diesen Eingriff in den Wald schwer gerechtfertigt.»

Peter Stadler, Geschäftsführer der Basler Personenschifffahrt, bedauert das. «Der Steg hatte eine gewisse Tradition, er stand seit den 30er-Jahren dort.» Über die Jahre hatte die Personenschifffahrt zusammen mit den Schweizerischen Rheinhäfen auch immer wieder Geld investiert, um den Steg in Schuss zu halten. «Irgendwann wurden die sicherheitstechnischen Bedenken aber zu gross.»

Nachdem der Steg abgebaut worden sei, habe es aber nur wenige Klagen gegeben, so Stadler. «Das hat mich selber überrascht. Ich habe es dramatischer eingeschätzt.» Weniger als zehn Reklamationen seien eingegangen. «Wahrscheinlich sind die Leute im Freizeitmodus, wenn sie bei der Station Waldhaus unterwegs sind. Dann stört es sie nicht, wenn sie ein paar Schritte gehen müssen.»

Auch die Gemeinde Muttenz hätte den Steg gerne behalten. Der Gemeinderat hatte sogar beschlossen, einen allfälligen Neubau mit 20 000 Franken zu unterstützen. Ausserdem wäre Muttenz bereit gewesen, im Rahmen des Zivilschutzes Personal für anstehende Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Im Frühling 2017 beschloss der Gemeinderat dann, den Plan zu begraben. Bis jetzt sei bei den zuständigen Personen aber keine Klage eingegangen, so Bauverwalter Christoph Heitz. «Offensichtlich war das Bedürfnis in der Bevölkerung gar nicht so gross, wie wir zu Beginn angenommen hatten.»