Die Handlung ist symptomatisch: Glacé ausgepackt, Autofenster heruntergekurbelt, Papierchen rausgeworfen. Littering in Füllinsdorf, Parkplatz der Motorfahrzeugkontrolle, beobachtet vorgestern Morgen. Entweder weht nun der Wind den Müll ausser Sicht, oder ein Gemeindearbeiter hat sich nach ihm zu bücken.

Das ist nur ein Beispiel für achtloses Loswerden von Abfall. Allzu gross sei das Problem in Füllinsdorf aber gar nicht, sagt Gemeindeverwalter Kurt Sidler auf Anfrage. Er führt dies auf die fehlenden Freizeitplätze zurück. Trotzdem beschäftige das Littering, und im Juli startet man ein Projekt mit sechs Sozialhilfebezügern, die während 30 Stunden je Woche Abfall am Strassenrand sammeln.

Vorwiegend Jugendliche

Hauptsächlich sind es Verpackungen von Take-away-Nahrung, Gratiszeitungen, Zigaretten. Schuld sind gemäss Bundesamt für Umwelt nicht etwa fehlende Abfalleimer oder zu hohe Sackgebühren, sondern das veränderte Konsumverhalten der Bevölkerung, die sich immer öfter unterwegs verpflegt und weniger in den eigenen vier Wänden.

In Itingen hat die Problematik derart üppige Ausmasse erreicht, dass der Gemeinderat zur Tat geschritten ist. Ganzseitig weist er im aktuellen Gemeindeanzeiger auf die Schwierigkeiten hin, die hauptsächlich Jugendliche verursachen. Vor allem auf öffentlichen Plätzen wie Bushaltestellen, dem Bahnhof oder dem Fussballplatz ist es laut Gemeindeverwalter Reto Lauber zu einem starken Aufkommen von Littering gekommen.

Angesichts dessen hat die Gemeinde einen privaten Sicherheitsdienst mit der Aufsicht der neuralgischen Orte beauftragt, und auch die Kantonspolizei patrouilliert derzeit vermehrt, was für eine Entspannung der Gegebenheiten sorgt. Und auch mit einem Brief schliesslich, der vor zwei Wochen an die Eltern erwischter Abfallsünder ging, machte man gute Erfahrungen. «Durch unsere Massnahmen hat sich die Situation etwas beruhigt», freut sich Lauber. Nun hofft man, dass dies auch so bleibt.

Lauber betont allerdings auch, dass die Jugendlichen nicht verscheucht, sondern einzig dazu gebracht werden sollen, sich vorschriftsgemäss zu verhalten. Darum will sich die Gemeinde auch vermehrt in der Jugendbeschäftigung engagieren.

Aber: «Es sind nicht nur die Jugendlichen»

Beliebte «Mülldeponien» wie das Areal um den Denner in Liestal oder die Birskopfmatte in Birsfelden verteilen sich über den gesamten Kanton. In Birsfelden hat man darum bereits vor einem Jahr eine Plakatkampagne gestartet. Eine Aktion mit Sozialhilfebezügern, wie sie in Füllinsdorf anläuft, hat hier nachhaltig Wirkung gezeigt.

Auch in Reinach kennt man das Problem des Litterings, und auch hier vor allem dort, wo sich die Jugend trifft. Gemeindeverwalter Thomas Sauter erzählt von Müll auf dem Gemeindeplatz, der nach dem Wochenende zwei Meter neben dem Mülleimer liegt, und vom Schulhaus Reinacher Hof, das mit Spots beschienen wird, damit es die Jugendlichen nicht zu gemütlich haben. «Aber ich möchte betonen: Es sind nicht nur die Jugendlichen.» Manch ein Erwachsener sei kein gutes Vorbild.