Der nostalgische Garagen-Nachbau zuoberst auf der Pantheon-Rampe lässt erahnen, wie es in den 1930er-Jahren in der Werkstatt eines Automobilpioniers zu- und hergegangen sein könnte. Allerdings waren es nicht nur die Hinterhof-Könige unter den Motorenflüsterern, die für ihren Traum vom Rennwagen Marke Eigenbau die letzte Schraube opferten.

Diese Sonderbauten beschäftigten auch etablierte Automobilhersteller, wie Pantheon-Besitzer Stephan Musfeld im Katalog zu seiner jüngsten Sonderschau ausführt: «Der britische Rennfahrer Sydney Allard etwa war vor dem Zweiten Weltkrieg für den Bau von Specials bekannt. Nach dem Krieg produzierte er unter dem Namen Allard-MotorCompany seine charakteristischen Automobile in Serie, auf eigenen Chassis, eingekleidet mit eigenen Karosserien und unter die Haube bestückt mit grossvolumigen Acht- oder Zwölf-Zylinder-Motoren von Cadillac, Ford oder Steyr.» Auch die Edelmarke Jaguar habe ihre Firmengeschichte mit dem Bau von Specials begonnen: zuerst mit dem Austin Seven Swallow, einem günstigen Kleinwagen, dem ein edles Kleid verpasst wurde.

Um diese Specials dreht sich alles in der 17. und jüngsten Sonderausstellung im Muttenzer Oldtimermuseum. Nach den «Scheunenfunden» im Frühjahr und den Sonderschauen über Autos der Fondation Hervé, von Citroën und den Schweizer Carrossiers 2014 erfolgt die Specials-Präsentation im Rahmen der regelmässigen Herbstausstellungen. Noch bis 10. April 2016 sind 35 dieser Sonderanfertigungen verschiedenster Marken zu sehen, welche die Ausstellungsmacher als «Charakterfahrzeuge» und «die Einzigartigen unter den Besonderen» bezeichnen. Meist sei als Absicht hinter einem solchen Umbau gestanden, eine Limousine in einen Rennwagen zu verwandeln. Zu diesem Zweck wurden Chassis verkürzt, Motoren auf höhere Leistung getrimmt und nicht zuletzt die Karosserien schnittiger gemacht.

Vor allem bei Engländern beliebt

Von den neuzeitlichen Umbauten nahm diesen Weg ein schwarzer Alvis mit Baujahr 1937 und einem 2,7-Liter-Motor, den Musfelds Pantheon-Spezialisten 2009 aus einer fünfplätzigen Limousine in einen flotten Sportwagen verwandelt haben, und den der Bauunternehmer und Oldtimer-Fan als sein persönliches Highlight bezeichnet. Von den zeitgenössischen Umbauten der 1930er- und 1940er-Jahre ragt laut Musfeld in der neuen Ausstellung der erste von Allard «getunte» Wagen heraus. Gemäss aktuellen Vorschriften und Zulassungen zum Rennbetrieb wären solche Umbauten heutzutage meist gar nicht mehr realisierbar.

Die Sonderschau umfasst zudem seltene Oldtimer der Marken Alfa Romeo, Alvis, American LaFrance, Austin, Bentley, Carrozzeria Italia, Ford, Jaguar, MG, NSU, Railton, Riley, Rolls-Royce und Wolsley. Schon der erste Blick auf diese Liste zeigt, dass sich besonders die Engländer dem Bau von Specials verschrieben hatten.

Wie stets im Pantheon ist auch diese Sonderausstellung ohne den Zuschuss von öffentlichen Geldern entstanden. Ohne eine Quersubvention, beispielsweise durch Anlässe im eindrucksvollen Hallenrund, seien sie gar nicht realisierbar, wie Stephan Musfeld ausführt. Was ihn aber viel mehr störe, ist, dass sein Pantheon noch immer nicht auf der offiziellen Basler Museumsliste figuriert: «Wenn sich ein Tourist auf der Basler Museumsliste orientiert, sucht er vergebens nach unserem Automobilmuseum.»

So laufen Interessenten Gefahr, ab kommendem April auch die nächste Sonderausstellung zu verpassen, wenn Musfeld Raritäten aus dem grossen Fundus des Luzerner Verkehrshauses zeigen wird.

Specials 17. Sonderausstellung im Pantheon Basel, Forum für Oldtimer. Noch bis zum 10. April 2016. Mo bis Fr, 10 bis 17.30 Uhr; Sa und So, 10 bis 16.30 Uhr, Eintrittspreis: 10 Franken. www.pantheonbasel.ch