Das trojanische Pferd aus Niederdorf war das auffälligste Gefährt am Oberdörfer Fasnachtsumzug. «Mir schleuse eus i», so das Motto der Dorfgassschlurbi. Der riesige Trojaner hätte wohl ausserhalb der Fasnacht keine Aussicht gehabt, von irgendeiner zuständigen Behörde eine Bewilligung zu erhalten, sich auch nur einen Meter auf einer Strasse in diesem Land zu bewegen. Gut, dass dieser Tage keiner nach Bewilligungen fragt: Die Umzugsbesucher hätten weit weniger zu lachen gehabt.

Gegen 20 Formationen, Guggen, Wagencliquen und eine einzige Pfiffergruppe zogen durch Oberdorf. Dazwischen manche Schissdräckzügli von der schönsten Sorte – meist Familien mit Kindern. Aber so genau ist das nicht auszumachen. Wer sich unter den Kostümen verbirgt, ist und bleibt schliesslich ein Geheimnis. Ausgesprochen aktiv waren die Waggisse von den Wagencliquen. Nachsichtig bei Kindern, gnadenlos bei Erwachsenen. Wehe dem, der zu nahe dran war. Es setzte eine Abreibung mit Konfetti ab. Ohne Grenzüberschreitungen. Mit Versöhnung. In der Regel eine Rose bei jungen Frauen, eine Büchse Bier bei den Männern.

Die Hölsteiner Gwaageschränzer kamen als gediegen friedliche Buddhas daher. Die Pfeifer der Dachluckespinner direkt vom Londoner Buckinghampalast, wo sie sonst Wache schieben. Und die Bretzwiler Chuestall-Rugger waren Kühe. Naheliegend. «Das ist unser Jubiläumskostüm, wir haben es schon letztes Jahr getragen», sagte einer. Der Umzug war vielfarbig und voller poetischer Fantasie: Hier die verspielten Figuren der Schissdräckzügli, gestaltet mit viel Leidenschaft und einem Gespür für Kinder, dort die eher derben Waggisse, die aber genau so zur Fasnacht gehören.

Auch Zeedel gabs in Oberdorf. Die Verweestä haben sich an der Post abgearbeitet und beklagen die Schliessung von Poststellen im Waldenburgertal:

In Langäbrugg gits
sit em 2014 kei Poscht me,
muesch zum VOLG,
willsch es Päckli ufgeh.
Zwüsche Fleisch, Frücht,
Brot und Gmües,
schnell e A-Poscht-Brief verschicke,
ach wie süess.

Die Dachluckespinner werben in ihrem Fasnachtsgedicht für mehr Gemeinsinn:

Und ebe drum wei mir jetz do
mitenand and’Fasnacht go,
d’Gemeinschaft gniesse, nüt bereue,
chum doch au es würd eus freue.

Spielte der Wind während des Umzugs noch mit den Konfetti, so änderte das exakt nach dem zweiten Durchgang. Es setzte Regen ein, Sturmböen inklusive. Der Stimmung unter den Aktiven und dem zahlreichen Publikum tat das keinen Abbruch. Wer konnte, verkroch sich unter dem Schutz der Verpflegungszelte oder in den Wagen der Cliquen, sofern sie gedeckt waren.