«Fast alle hatten Tränen in den Augen», erzählt Jörg Zimmermann. Nach über 20 Jahren Feuerwehrdienst, davon sieben Jahre als Kommandant der Feuerwehr Münchenstein, demissionierte der Hauptmann zusammen mit seinem Stellvertreter, Oberleutnant Nguyen van Hiep, an der Hauptübung im September. Es war ein rührender Abschied. «Die Mannschaft ist uns in den letzten 20 Jahren sehr ans Herz gewachsen, da musste es einen Abschied mit Tränen geben.»

Ein letzter grosser Bahnhof für die beiden vor rund 350 Zuschauern, die der Hauptübung beiwohnten. «Da kamen Leute aus dem Publikum, die uns umarmten», so Zimmermann. Auch Gemeindepräsident Giorgio Lüthi würdigte die langjährigen Verdienste des Kommandos in einer Medienmitteilung, welche die Gemeinde am darauffolgenden Montag versandte.

Falscher Wohnort

Über die Gründe der Demission war nichts zu lesen. Es war anzunehmen, Zimmermann und van Hiep seien auf eigenen Wunsch zurückgetreten, zumal bekannt war, dass es verschiedentlich zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Gemeinderat gekommen war. Die Abschiedsrede eines Mannschaftsvertreters, die nicht mit dem Feuerwehrkorps abgesprochen war, brachte aber einen anderen Grund zum Vorschein. Der Umstand, dass Zimmermann nur seinen Arbeitsplatz, nicht aber seinen Wohnsitz in der Gemeinde hat, war für den Gemeinderat nicht mehr akzeptabel, worauf Zimmermann demissionieren musste. «Wir, die Mannschaft der Feuerwehr Münchenstein, können diesen Entscheid des Gemeinderats nicht unterstützen und bedauern diesen zutiefst», hiess es wörtlich.

Zimmermann wohnte schon seit Ende 2012 in Aesch und ist jüngst nach Nunningen weitergezogen – zu weit weg für den Gemeinderat. Gegenüber der Mannschaft wurde sogar der einstimmige Beschluss der Exekutivbehörde in dieser Sache offengelegt. Sein Stellvertreter van Hiep demissionierte in der Folge aus Loyalität, bleibt der Feuerwehr aber als Mitglied der Arbeitsgruppe erhalten, die den Gemeinderat fachlich und strategisch berät.

Unklar ist, warum die Gemeinde die Hintergründe des Kommandowechsels nicht kommunizierte. Möglicherweise wollte man Nebengeräusche vermeiden – vergeblich: Eine Anfrage bei der Geschäftsprüfungskommission ist laut deren Präsident Daniel Altermatt aktenkundig. Dabei erscheint die Haltung des Gemeinderats plausibel.

Im Kantonalen Feuerwehrgesetz gibt es dazu keine abschliessende Regelung. Dienstpflichtigen Personen wäre es gestattet, ihre Dienstpflicht in einer anderen, vom Kanton anerkannten Feuerwehrorganisation zu erfüllen, «sofern es der Mannschaftsbestand der Niederlassungsgemeinde zulässt». Für den freiwilligen Feuerwehrdienst kann die Gemeinde zudem «nicht-niedergelassenen Personen bewilligen, Feuerwehrdienst zu leisten». Es liegt also im Ermessen des Gemeinderats. Dieser kann sich im vorliegenden Fall zudem auch auf die Unterstützung des Feuerwehrinspektorats berufen.

Personalbestand «etwas dünn»

Während letztes Jahr die Rekrutierung noch ausgesetzt werden musste, weil die Mannschaft über dem Sollbestand von 50 Mann war, ist Nachwuchs dieses Jahr plötzlich wieder ein Thema. Neben Zimmermann und van Hiep verabschiedeten sich gleich weitere 17 Mann aus der Feuerwehr. Die Mannschaft zählt aktuell noch 37 Mitglieder. In Feuerwehrkreisen ist von einem Generationenwechsel die Rede. Unter dem Reinacher Interimskommandant Christian Wyss sei dann auch Ruhe in die Mannschaft eingekehrt.

«Die Feuerwehr Münchenstein wurde in einem sehr guten Zustand übergeben. Sie ist strukturiert und gut organisiert», sagt Wyss auf Anfrage. Einfach personell sei sie vorübergehend etwas dünn dotiert. Die Rekruten-Infoabende am kommenden 3. und 4. November kommen also wie gerufen.