Noch zehn Tage. Dann erhalten die Parteien den Lohn für das harte Ringen um Wähleranteile, um Sitze im Parlament und in der Regierung. Es war ein äusserst langer Wahlkampf. Wenn die Helferscharen die Plakate entfernen, werden die Porträts der Kandidierenden zum Teil drei volle Monate Strassenränder, Laternenpfähle und Geländer verziert haben.

Der späte Fasnachtstermin, verbunden mit dem zweiwöchigen Unterbruch, und davor die nationale Abstimmung führten dazu, dass die Erneuerungswahl erst sehr spät im Jahr erfolgt, sechs Wochen später als beim letzten Mal 2007.

Im langen Warten liege auch ein wesentlicher Grund dafür, dass der zu Ende gehende Wahlkampf allgemein als sehr lau und langweilig wahrgenommen wird, sind sich viele Beteiligte einig. Kommt hinzu, dass es keine Vakanzen zu füllen gibt. Doch selbst hier vertreten die Politiker unterschiedliche Auffassungen: Maya Graf, Nationalrätin der Grünen und «Gotte» von Herausforderer Isaac Reber, stimmt zu. Weil sich ihrer Meinung nach die Bürgerlichen auf keine Diskussionen einlassen würden, um so ihren Sitz nicht zu gefährden, sei der Kampf blockiert und somit «langfädig».

Sind die Alten oder Neuen schuld?

Damit teilt sie für einmal die Meinung der SVP: «Zumindest für den Kampf um die fünf Regierungsratssitze mit fünf Bisherigen stimme ich ihr zu», sagt Dieter Spiess, Präsident der Baselbieter SVP, schränkt aber sogleich ein: «Im Kampf um die Landratsmandate legten sich aber alle Parteien mit Energie und Ideen ins Zeug.» Die Schuld aber schiebt Spiess den Herausforderern in die Schuhe: «Sie konnten nicht punkten, Reber trat auch nur mit Plakaten in Erscheinung.»

Bezeichnenderweise war das erste von total zwei Podien mit allen Regierungskandidaten zwar «chrottenlangweilig», wie sich Maya Graf ausdrückte, aber wenigstens gut besucht. Das zweite in Liestal fand dann nur noch vor höchstens einem Dutzend «neutraler» Zuhörer statt.

Die Abwesenden wussten eben, dass Podien mit gleich sieben Teilnehmern, denen der Sinn mehrheitlich nicht nach Streiten steht, nicht mehr zeitgemäss sind. Wenn Regierungsratskandidaten hingegen zu einem Sachthema antraten, etwa zur Theaterfinanzierung, so konnten sie ihr Profil zeigen, die Emotionen kamen doch noch ins Spiel.

Stephan Mathis, Generalsekretär in Sabine Pegoraros Sicherheitsdirektion, betont, dass sich alle Bisherigen neben ihrer Alltagsarbeit enorm engagierten und stets eine volle Agenda hatten. Und er erinnert sich an den früheren Zweikampf zwischen Elsbeth Schneider und Peter Holinger um einen Regierungsratssitz: «Da traten die beiden zu insgesamt 17 Podiumsgesprächen an. Das war am Ende auch nicht mehr spannend.»

CVP-Mann Walter Jermann, Wahlkampfleiter für die vier bürgerlichen Bisherigen, klagt auch über die Länge. «Zudem lockt man mit Podien offenbar niemanden mehr hervor. Gemessen an den Plakaten war der Wahlkampf doch sehr rege.» Das sagt auch Christine Pezzetta, die FDP-Wahlkampfchefin: «Es ist nicht unsere Aufgabe, das Volk zu unterhalten, sondern nur, es zu informieren.»

SP-Sekretär Ruedi Brassel bläst sogar zum Gegenangriff: «Wäre es nicht Aufgabe der Medien, die Profile und Unterschiede der Kandidaten aufzuzeigen?» Der Hinweis auf die vielen Serien, die alle Medien dem Kampf um die fünf Sitze gewährt haben, kontert er: «Alle erhielten Gelegenheiten, sich abzubilden. Es fehlte das Streitgespräch. Wo bleibt da die vierte Macht?»