Es ist paradox: Einerseits wird der Wald als Erholungsraum immer beliebter, und auch die Ansprüche der Waldnutzer sind gestiegen. Sie fordern einen intakten, sicheren Wald, der ökologische Vielfalt bietet und ihnen unzählige Freizeitaktivitäten ermöglicht. «Und andererseits ist den wenigsten bewusst, dass es Leute braucht, die den Wald pflegen», sagt Andres Klein, Präsident des Waldwirtschaftsverbands beider Basel. Der Unterhalt von Rastplätzen, regelmässige Durchforstung, Schutz vor herabfallenden Ästen, Waldrandpflege, Uferverbauungen: Kaum jemand wisse, dass sich jemand darum kümmere und dass das Geld koste.

Diesen Widerspruch will der Waldwirtschaftsverband jetzt mit einer Sensibilisierungskampagne ändern. Im Geisswald oberhalb von Pratteln hängen neuerdings über dem viel benutzten Weg blaue Werbebanner. «Warum sind unsere Wälder 24 Stunden geöffnet?», «Was kostet der Betrieb und Unterhalt des Waldes?», so lauten einige der Fragen, die dem Spaziergänger gestellt werden. Rund hundert Meter Zeit hat man, um über die Antworten nachzudenken. Die stehen nämlich auf dem jeweils nächsten Banner. Da erfährt man zum Beispiel, dass im Baselbiet drei Viertel des Waldes den Bürgergemeinden gehört oder dass die Holzpreise in den letzten Jahrzehnten massiv gesunken sind.

Kinderwagen-taugliche Waldwege

Gerade die letzte Antwort trifft einen wesentlichen Punkt, den der Waldwirtschaftsverband mit seiner Kampagne hervorheben möchte. Aus dem Wald einen finanziellen Nutzen zu ziehen, ist seit langem nicht mehr die einzige Aufgabe der Förster. «Forstequipen haben heutzutage ein riesiges Pflichtenheft», sagt Klein, «und es hat bei weitem nicht alles mit der Holzgewinnung zu tun.» Vieles würden sie auch aus Tradition übernehmen.

So ist keine Bürgergemeinde gezwungen, in ihrem Wald Rastplätze anzubieten. «Wir tun das als Dienstleistung an die Bevölkerung», sagt die Prattler Waldchefin Verena Walpen. Und wenn die Waldwege nur dem Holzschlag dienen würden, wären sie nicht so perfekt gepflegt, wie sie es in unseren Wäldern meist sind. «Aber wir richten den Standard nach den Waldnutzern aus», erklärt Markus Eichenberger, Förster des Waldreviers Schauenburg. Nur weil seine Mitarbeiter jährlich das Laub entfernen würden, könne man die Wege mit Kinderwagen benutzen. «Für uns bedeutet das zusätzliche Arbeit», betont er.

Bei Aufforstungen pflanzen seine Leute oft gezielt Jungbäume, um eine bestimmte Art zu fördern. Der Aufwand ist gross, einen unmittelbaren Ertrag gibt es nicht. Natürlich könne man den Wald einfach sich selber überlassen, sagt Eichenberger. «Er würde sich schon selber regenerieren. Aber in 40 Jahren wäre er artenarmer und nicht an die Klimaerwärmung angepasst.»

Die Kampagne soll der breiten Öffentlichkeit also zeigen, was die privaten und öffentlichen Waldbesitzer für die Allgemeinheit leisten – meist freiwillig. In immer mehr Baselbieter Gemeinden entschädigt die Einwohnergemeinde die Bürgergemeinden teilweise für Waldpflege im Dienste der Allgemeinheit.

Plakate touren durchs Baselbiet

Eine rentable Waldnutzung sei bei den aktuellen Holzpreisen nicht realistisch, sagt Klein. Das bedeute nicht, dass der Wald defizitär sei. «Aber wir verschenken viele unserer Dienstleistungen.» Die Banner des Waldwirtschaftsverbandes hängen noch etwa einen Monat lang im Prattler Geisswald. Danach sollen sie in weiteren Wäldern im Baselbiet zur Anwendung kommen, laut Klein «dort, wo viele Leute spazieren».