Das Komitee «Ja zur Kunsti Sissach» wirbt intensiv für das 8,7-Millionen-Projekt, das die Sanierung der Kunsteisbahn und eine neue, geschlossene Eishalle vorsieht (siehe separater Text rechts). Auch das Referendumskomitee möchte weiterhin eine Kunsteisbahn im Bezirkshauptort, will das geplante Vorhaben jedoch bodigen und fordert ein anderes, billigeres. Der Abstimmungskampf befindet sich in der entscheidenden Phase, Stimmberechtigte müssen mobilisiert werden für den Urnengang vom 27. November. Es ist mit einem knappen Resultat zu rechnen. Auf welche Seite es kippt, ist schwer abzuschätzen.

Jetziges Dach ist schwere Hypothek

Noch nicht geklärt sind die Verantwortlichkeiten für das marode Hallendach, das 2012 eine zweijährige Schliessung der Kunsteisbahn zur Folge gehabt hat, danach jedoch verstärkt worden ist. Die involvierten Parteien ringen immer noch um eine aussergerichtliche Einigung. Über den aktuellen Stand ist der Gemeinderat an Gemeindeversammlungen stets mit Fragen konfrontiert worden. Darauf ist die Exekutive jedoch nie eingegangen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Das Debakel ums Hallendach war Auslöser für dieses Eishallen-Projekt.

Vom Informationsanlass bis zum Referendum – die wichtigsten Schritte:

10. September 2015: Das neue Projekt wird an einer Infoveranstaltung präsentiert. Der erfahrene Architekt Christian Peter, der von der Gemeinde Sissach mit einer Analyse beauftragt worden ist, erklärt, dass Lüftung, Eisaufbereitungsanlage und Heizung ersetzt werden, die Kunsteisbahn einen Mantel erhalten und neu als Eishalle daherkommen soll.

20. Oktober 2015: Die Gemeindeversammlung spricht sich mit 193 Ja- gegen 37 Nein-Stimmen für das Projekt aus. Für dieses soll die Gemeinde 4,7 Millionen Franken aufbringen, die restlichen vier Millionen müssen bis Ende April 2016 von Kanton, umliegenden Gemeinden, Gewerbe und Privaten eingebracht werden. Dazu wird ein Patronatskomitee gegründet.

Herbst 2015: Das Patronat Kunsteisbahn Sissach unter dem Präsidium von alt Regierungsrat Urs Wüthrich macht sich an die Arbeit.

Frühling 2016: Spätestens Anfang April wird klar – es sind erst 1,73 Millionen Franken gesammelt –, dass das Patronat das anvisierte Ziel bis Ende Monat klar verfehlt. Die Sammelfrist wird um zwei Monate bis Ende Juni verlängert.

23. August 2016: Der Gemeinderat gelangt nochmals an die Gemeindeversammlung. Er beantragt, dass die Gemeinde zu den schon bewilligten 4,7 Millionen Franken vom Oktober 2015 weitere 1,9 Millionen an die neue Eishalle beisteuern soll, weil von Dritten bis Ende Juni bloss 2,1 Millionen Franken zugesichert worden sind. Einzelne Stimmbürger kritisieren dieses Vorgehen, dennoch werden die insgesamt 6,6 Millionen Franken bewilligt mit 160 Ja- gegen 69 Nein-Stimmen bei 14 Enthaltungen. Das Referendum wird angekündigt.

Anfang September 2016: Ein Referendumskomitee mit Anwalt André M. Brunner an der Spitze sammelt Unterschriften und reicht Mitte September 643 gültige Unterschriften ein. Nötig gewesen wären mindestens deren 456. Als Abstimmungstermin wird der 27. November festgelegt.

Mitte September 2016: Die Gemeinde Sissach fordert vom Kanton mehr Geld für die Kunsti, erhält es aber nicht. Der aus dem Baselbieter Swisslos-Fonds entrichtete Beitrag bleibt bei 750 000 Franken. Sissach wollte das Doppelte. Das Kantonsgericht weist am 14. September eine Beschwerde der Gemeinde gegen einen Entscheid der Regierung ab.

Bis zum Abstimmungstag: Das Komitee «Ja zur Kunsti Sissach» macht sich stark für die Sanierung der Kunsteisbahn und die neue Eishalle mit Standaktionen im Dorfkern, Plakaten und regelmässigen Medienmitteilungen. Die Gegenseite, das Komitee «Für eine finanzierbare Kunsti vor dem Hintergrund der weiteren Investitionen», tritt weniger öffentlich in Erscheinung, hat dafür eine Homepage erstellt. Beide Seiten nutzen den Abstimmungskampf, um mit ihren Argumenten die Mehrheit der Urnengänger in zwei Wochen auf ihre Seite zu ziehen.