Das Timing war perfekt für eine kontroverse Diskussion über den Windpark auf der Chall: Der Verein «Wind-still» lud in Röschenz zu drei Referaten ein, um die ablehnende Haltung zu begründen. Am selben Tag teilten die Industriellen Werke Basel (IWB) mit, sie erachteten die Windmessungen als genügend, um das Projekt weiterzuverfolgen (bz vorgestern).

Ohne eine Diskussion abzuwarten, lud Vereinspräsident Marx Mamie die hundert Besucher in der Röschenzer Schulaula unmittelbar nach den Vorträgen zum Apéro ein. Er wolle den Abend nicht mit einer unerspriesslichen Diskussion ausklingen lassen, meinte er. Doch der Rö-schenzer Gemeinderat und Mitgründer des Forums erneuerbare Energien Laufental (FEEL) verlangte einen kritischen Dialog. Denn Windenergie sei ein wichtiger Beitrag zur Stromversorgung, falls Kernkraftwerke abgeschaltet würden.

Erholungsgebiet zerstören

«Ist ein Windpark auf dem Chall sinnvoll?», fragte Ingenieur Martin Sortmann kritisch in die Runde. Nein, meinte er, denn man würde ein Naturparadies zerstören. Man müsse viel Wald roden. Tiere würden unter diesem Projekt leiden. Man könne auch nie kostendeckend Strom produzieren, denn auf dem Chall wehe der Wind nur mit 3,5 bis 4,5 Metern pro Sekunde. Bei Investitionen von 100 Millionen Franken koste die Kilowattstunde Strom 45 bis 60 Rappen.

Im persönlichen Gespräch meinte Mediensprecher Erik Rummer, die IWB wolle die definitiven Windmessungen abwarten, die während 30 Prozent des Jahres Geschwindigkeiten von 7 bis 20 Metern pro Sekunde ergeben hätten. Eine Machbarkeitsstudie gebe über die ökonomischen und ökologischen Folgen Auskunft.

Wanderfalken gefährdet

«Im Chall liegt die Wiege der Schweizer Wanderfalkenpopulation», erklärte der Zürcher Biologe Marc Kéry. Der Vogel sei ein Symbol für Naturschutz und komme in den Gemeinden Röschenz, Burg und Kleinlützel vor, wo der Windpark stehen werde. In der Schweiz würden noch 340 Paare nisten. Im Umkreis von drei Kilometern sei eine Windturbine tödlich für den Vogel. Vermutlich hätten schon Windmessungen mit auf 86 Meter Höhe gespannten Drahtseilen das Nisten gestört.

Der Ornithologe Thierry Spenlehauer bezeichnete die Challhöhe als wichtige Flugroute von Millionen von Zugvögeln. Auch Fledermäuse seien gefährdet. Auch die Waldkatze werde sich zurückziehen.
Windparkbefürworter Remo Oser verwies auf die anstehende Umweltverträglichkeitsprüfung, die das Verhalten von Tieren untersuchen werde. «Durch die Klimaerwärmung, verursacht durch den CO2-Ausstoss, leidet unsere Umwelt viel mehr als unter Windrädern», machte er geltend.

Es sei erwiesen, dass eine Windturbine nicht mehr Vögel tötet, als eine Hauskatze. «Strom muss dort produziert werden, wo er gebraucht wird», empfahl er.