Das Ziegelhof-Center und Coop waren in der jüngsten Planungsgeschichte von Liestal ein untrennbares Paar, jetzt gibt es erste Risse: Weil sich das Projekt verzögert und ein Ende des Rechtsverfahrens nicht absehbar ist, beginnt Coop, der vorgesehene Hauptmieter im geplanten Ziegelhof-Center, Alternativen zu prüfen. Dazu zählt auch, den jetzigen Standort umzubauen (die bz berichtete).

Dieser Richtungswechsel veranlasste Stadtpräsident Lukas Ott, nochmals mit Coop das Gespräch zu suchen. Ott hatte letzte Woche im Einwohnerrat informiert, dass der Grossverteiler im April «sehr glaubhaft» versicherte, ein langfristiges Interesse am Ziegelhof zu haben. Ott sagte danach: «Coop hat mir nochmals das Interesse am Ziegelhof bestätigt.» Und Ott weiter: «Es liegt in der Sorgfaltspflicht des Coop-Managements, Alternativen zu prüfen, solange die Einsprachen bestehen.» Er verstehe, dass Coop nicht auf eine Alles-oder-Nichts-Strategie setze, was auch nicht im Interesse der Stadt Liestal wäre.

Weniger gelassen reagiert Andreas Zbinden, Präsident von KMU Liestal, auf die Ziegelhof-Neuigkeiten: «Ich muss zuerst einmal probieren, Emotionales und Rationales zu trennen.» Zu Letzterem gehöre die Tatsache, dass die Anwohner das Recht besitzen, Einsprache zu machen. Andererseits gehe es ihm ein Stück weit wie dem Ziegelhof-Bauherrn Abraham Budak, ergänzt Zbinden. Er fühle Ohnmacht und habe Mühe damit, dass ein klarer Volksentscheid nach einem intensiven Abstimmungskampf nun per Einsprachen wieder infrage gestellt werde.

Loch bei spuckenden Powerblocks

Für die Haltung von Coop, alternative Standorte zum Ziegelhof zu prüfen, hat auch Zbinden Verständnis. Die Firma müsse sich weiterentwickeln und Manor mit einem neuen Center Paroli bieten können. Aber er hält auch fest: «Aus KMU-Sicht bedaure ich ausserordentlich, wenn das Ziegelhof-Center mit Coop nicht zustande kommt. Denn wenn der Grossverteiler auf die grüne Wiese weg vom Stedtli geht, verlieren wir alle.»

Dass Coop auch einen Aus- respektive Umbau am bisherigen Standort an der Rathausstrasse prüfen will, überrascht Zbinden: «Das wäre fürs Gewerbe dort wie ein Sechser im Lotto. Aber ich kann das schon wegen der Parkplatz-Problematik nicht ganz glauben.» Auch Martin Geiger würde bedauern, wenn das Ziegelhof-Center mit Coop nicht realisiert würde. Der Zürcher Architekt, der vor fünf Jahren unter dem Titel «Verbesserung der Funktionsfähigkeit der Liestaler Innenstadt» die wegweisende «Geiger-Studie» verfasst hat, setzt nach wie vor auf das Prinzip der fünf «Powerblocks» unmittelbar ausserhalb der Stadtmauern mit ihren «Shortcuts».

Die Idee dahinter: Die «Powerblocks» Migros, Manor, Ziegelhof und dereinst Lüdin mit ihren Parkhäusern sowie Bahnhof ziehen die Konsumenten von aussen an und «spucken» sie mit attraktiven Fusswegen («Shortcuts») auf der andern Seite ins Stedtli, aber auch durchs Stedtli einander zu. Denn wenn jemand beispielsweise im Migros etwas nicht finde, gehe er zu Coop und müsse dabei das Stedtli queren. Dort locken Läden mit ihrem Spezialangebot. Falle nun der Ziegelhof mit Coop weg, sei das eine Schädigung dieses Systems, weil ein Anziehungspunkt mit Parkhaus fehle und es müsste nach Ersatz gesucht werden, sagt Geiger.

Und er ergänzt: «Das System ist wasserdicht. Es funktioniert unter anderem in Bern und wird auch in Liestal funktionieren.»