Der wichtigste Mann verabschiedete sich nach sieben Stunden intensivem Brainstorming und Debattieren in der ehemaligen Abfüllhalle des Ziegelhofs in Liestal mit den Worten: «Ich bin schwer beeindruckt von der Kreativität und dem Engagement. Ich spüre einen Ziegelhof-Spirit.» Jürg Hari vertrat bei der sogenannten Zukunftskonferenz am Freitagabend und Samstagmorgen die Pensionskasse Co-Opera, die seit einem halben Jahr das Ziegelhofareal besitzt. Hari selbst hielt sich an diesem Anlass mit 90 Teilnehmern aus Politik – darunter drei Stadträte –, Gewerbe, Kultur, Anwohnern und Vereinen zurück.

Co-Opera will Rendite

Hari steckte zu Beginn jedoch den Rahmen für die Zukunft ab. Dabei umschrieb er Co-Opera als eine Pensionskasse, die nicht an der Börse tätig sei, sondern in die Realwirtschaft investiere. Bei diesen Investitionen spielten auch soziale, ökologische und ethische Werte eine Rolle. In Liestal ist der Ziegelhof nach der Hanro bereits das zweite Projekt von Co-Opera. Trotz aller Nachhaltigkeit betonte Hari jedoch: «Bevor wir mehr in den Ziegelhof investieren, müssen wir die Bedürfnisse kennen. Aber wir können nicht einfach Wünsche erfüllen, sondern müssen eine Rendite erwirtschaften.»

Gegenüber der bz präzisierte er, dass diese nach dem Abschluss der Investitionen in etwa fünf Jahren 3 bis 3,25 Prozent vom Eigenkapital betragen müsse. Und das Eigenkapital setzt sich aus dem «tiefen zweistelligen Millionen-Betrag», mit dem Co-Opera das ehemalige Brauereigelände von der Ziag erworben hat, und den 20 Millionen Franken, die die Pensionskasse in den nächsten Jahren zu investieren gedenkt, zusammen.

Wohin dieses Geld fliessen könnte, das skizzierten die Teilnehmer der Zukunftskonferenz: Sie brachten ein Sammelsurium von Ideen ein, die die Macherin des ganzen Prozesses während den nächsten Jahren, Barbara Buser von «Denkstatt», nun zu einem Nutzungskonzept bündelt, das im Herbst vorgestellt wird. Ganz zuoberst auf der Hitliste der Erwartungen steht eine vielseitige Durchmischung des Areals mit Gewerbe, Kultur und Dienstleistungen. Dazu zeigten die Diskussionen in vielen Kleingruppen, dass die Nutzung des nun zehn Jahre brach gelegenen Geländes zu einem günstigen Zeitpunkt kommt.

Denn diverse Bauvorhaben in Liestal, allen voran der Vierspurausbau der SBB ab 2019, «spülen» etliche Kleinbetriebe vom Maurer über den Schreiner bis zum Velomacher aus ihren angestammten Räumlichkeiten. Sie liebäugeln nun mit einer Bleibe im Ziegelhof. Dazu kommen weitere Gewerbler, Cliquen und Vereine, die nach Räumen und Übungslokalen suchen. Auch zwei leitende Kantonsangestellte würden sich mit ihren Sammlungen gerne im Ziegelhof einnisten, wobei der Kantonsarchäologe von einem attraktiven, begehbaren Lager träumt.

Dazu gesellten sich Ideen von einem Familienzentrum, einer Jugendherberge, einer Quartierkantine, einem Kulturzentrum, einem Tummelfeld für Startup-Firmen und vielem anderem mehr. Wobei immer wieder die riesige, helle Abfüllhalle als eigentliches Herzstück in den Fokus rückte. Barbara Buser will jetzt experimentieren, was darin alles möglich ist. So treffen sich hier in Bälde die Genossen und Gewerkschafter zur traditionellen 1.-Mai-Kundgebung.

Andere möchten wiederum aus dem Areal eine «grüne Lunge» mit Urban Gardening, Märkten und Bepflanzungen schaffen. Viele plädierten für eine transparente Architektur, die in die Handwerkerbuden blicken lässt und der heute öden Meyer-Wiggli-Strasse Leben einhaucht.

Eine Rolltreppe ins Stedtli

Allen aber ist wichtig, dass das Ziegelhofgelände optimal ans Stedtli angebunden wird, wobei der Höhenunterschied mit Rolltreppen oder Liften zu bewältigen sei. Ein Architekt sprach dabei von «einem grossen, durchgängigen Ameisenhaufen» vom Ziegelhof übers Stedtli bis hin zum Bahnhof.

Was wirklich Platz hat, wird die nun angelaufene Phase der Zwischennutzung zeigen. Buser sagt: «Ich bin Co-Opera extrem dankbar, dass wir nun im Ziegelhof zwei bis drei Jahre ausprobieren dürfen.» Für sie ist klar, dass der Ziegelhof den umgekehrten Weg zur Basler Markthalle gehen muss: zuerst ausprobieren, was funktioniert, und dann investieren. Und weil Buser ihre Projekte gerne unter ein Thema stellt – das ist schon bei Hanro, Gundeldingerfeld und Walzwerk so –, verpasste sie am Ende der Veranstaltung auch dem Ziegelhof eine provisorische Etikette: «Handwerk – vom Mittelalter bis morgen.»