Mit Schwung gleitet der Regionalzug durch die Kurve und fährt am Bahnhof Liesberg vorbei. Seit dem Wegfall der langjährigen Station der Jurabahn halten hier keine Züge mehr. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) entschieden sich im Jahr 1993 für die Aufhebung. Grund dafür war derselbe wie bei den ehemaligen Bahnhöfen im solothurnischen Bärschwil und dem jurassischen Soyhières. Die Wohnsiedlungen liegen weit von den Haltestellen entfernt und können mit Bussen besser erschlossen werden. Heute bedienen Postautos die drei Ortschaften.

Wenn es nach der Acino Pharma AG geht, sollen Regionalzüge schon bald wieder in Liesberg einen Halt einlegen. Der Generika-Hersteller will abklären, ob die Eisenbahn künftig den stillgelegten und leerstehenden Bahnhof anfahren kann. Das Unternehmen plant, sein Liesberger Werk auszubauen und über 250 Arbeitsplätze ins hintere Laufental zu verlegen. Der Umzug wird rund drei Jahre dauern und hat zum Ziel, die dortige Produktion auf drei Milliarden Einheiten zu verdoppeln. Dabei handelt es sich unter anderem um Tabletten und Kapseln.

Ist nicht behindertengerecht

Bis anhin hat sich die Pharmafirma noch nicht an den Kanton Baselland gewandt. Dieser hätte eine allfällige Wiederinbetriebnahme des Bahnhofs Liesberg in seine Angebotsplanung aufzunehmen. Dem Baselbieter Tiefbauamt sind seit der Schliessung der Station vor über zwanzig Jahren keine diesbezüglichen Anfragen bekannt. Da es sich bei der betroffenen Strecke um die Linie von Basel nach Delsberg handelt, wären ebenfalls die Kantone Basel-Stadt, Solothurn und Jura beteiligt, durch welche der Zug fährt.

Einbezogen in die Planung und die Realisierung des Projektes müsste zudem der Bund werden. Um einen Bahnhof wieder in Betrieb nehmen zu können, müssen die heute geltenden bundesrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden, schreibt Andreas Windlinger, Leiter Sektion Kommunikation beim Bundesamt für Verkehr. Dazu gehören unter anderem das Behindertengleichstellungsgesetz, Sicherheitsmassnahmen und eine eventuelle Anpassung der Kapazitäten. «Hierzu wären voraussichtlich grössere Umbaumassnahmen nötig.» Der verlassene Bahnhof in Liesberg entspricht bei weitem nicht mehr den Anforderungen.

Die SBB, die im Auftrag von Kanton und Bund die Station wieder verkehrstauglich machen würden, sprechen von Kosten im Millionenbereich. Eine allfällige Verlegung des Bahnhofs in den näher am Industriegebiet gelegenen Riederwald wäre teurer, als die bestehenden Räumlichkeiten zu sanieren, sagt Sprecher Reto Schärli. Er erklärt, dass in den heute bahnhofslosen Gemeinden auf der Juralinie der Einsatz von Postautos kostengünstiger sei, als der Betrieb von Bahnhöfen.

Halbe Weltreise nach Delsberg

Ein Grossteil der Bevölkerung Liesbergs lebt im Ortsteil Liesberg Dorf, der sich auf einer Anhöhe befindet. «An der Verbindungsstrasse zwischen Laufen und Delsberg im Talgrund wohnt nur etwa ein Viertel aller 1200 Einwohner», erklärt Gemeindepräsidentin Ursula Brem. Für die Angestellten der dort angesiedelten Industrie wünscht sie sich in ihrer Gemeinde trotzdem wieder einen Bahnanschluss. Aber auch die Einwohnerinnen und Einwohner könnten davon profitieren, ist für sie klar. «Liesberg verfügt heute über keine öV-Verbindung in den Jura», bedauert sie. Wenn ein Liesberger ohne Auto nach Delsberg möchte, muss er zuerst mit dem Bus nach Laufen fahren. Dort muss er auf den Regionalzug umsteigen, mit dem er in die jurassische Hauptstadt fahren kann.

Ideal wäre es laut der Gemeindepräsidentin, wenn der Bahnhof einige hundert Meter weiter in Richtung Delsberg verschoben werden könnte. Ginge es nach ihr, müsste der Zug auch nicht immer in Liesberg stoppen. «Ein Halt auf Verlangen wäre doch eine gute Möglichkeit.»