Die Ebene zwischen Pratteln und Augst ist eigentlich nicht sonderlich geeignet als Haltepunkt: Die A 2 verläuft in einer lang gestreckten Kurve, die Sicht ist eingeschränkt: Von Basel her kommend ist die Raststätten-Ausfahrt schon fast verpasst, wenn der gelbe Balken mit den grossen Bullaugenfenstern plötzlich zwischen den Leitplanken auftaucht.

Da man das Gebäude aber niemals vergisst – so lautete zumindest die Hoffnung der Erbauer – nimmt man sich vor, auf der Rückfahrt einen Halt einzulegen. Und kehrt immer wieder zurück. Der Plan hat funktioniert. Und geht noch immer auf.

Der Lego-Duplo-Stil

Ursprünglich sahen die Planer für die 1978 eröffnete Raststätte Pratteln jedoch eine gewöhnliche Glasfassade vor. Anfang der 1970er-Jahre, die Brücke war im Rohbau bereits erstellt, entschieden sie sich jedoch um: Ein Fassaden-Wettbewerb wurde ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt das Basler Architekturbüro Casoni & Casoni.

So sah der «Fressbalken» früher aus.

So sah der «Fressbalken» früher aus.

Der Vorschlag der beiden Brüder: Der gesamte Komplex wird mit einer Vorsatzfassade verkleidet, sie besteht aus 106 Wandelementen aus glasfaserverstärktem Polyesterharz. Auch wenn diese Gestaltung einmalig wirkt – der Stil, der an Lego-Duplo-Bausteine erinnert, hat einen Namen: Soft-Edge-Ästhetik.

Als Farbe wählten die Architekten in ihrem Modell von 1977 gelb. Bei der Brücke, wo eine Kante in den Platten ein lang gestrecktes «u» bildet, wird die untere Seite rot eingefärbt. Doch damit kamen die Casonis nicht durch – Dante Casoni (Angelo Casoni verstarb in April) erinnert sich: «Man teilte meinem Bruder mit», sagt er zur bz, «dass das nicht gehe, es sei zu gefährlich.»

Mineralölfirma gegen Farbkombi

Die Bauherren hatten zuvor den Rat eines Verkehrspsychologen eingeholt, der die Bedenken bestätigte: gelb-rot wäre zu auffällig, das gäbe Unfälle. Dante Casoni vermutet, dass andere Interessen hinter dem Entscheid standen. «Wahrscheinlich wehrte sich eine Mineralölfirma gegen unsere Farbkombination, gelb-rot erinnerte sie wohl zu stark an das Logo einer Konkurrentin.» Die Gebrüder Casoni wechselten zu orange, der Brückenkragen wurde braun.

So sah die Brücke auch aus, als sie nach jahrelangen Verzögerungen eingeweiht wurde – im Jahr 2000 erhielt der Komplex einen Neuanstrich: Die «Passagio Holding», die damalige Besitzerin, liess die Fassade gelb streichen. Dieser Umgestaltung war, wie knapp dreissig Jahre zuvor, ein Wettbewerb vorausgegangen. Autogrill übernahm die Holding Ende 2000 und damit auch die Raststätte.

Es sei keine erneute Farbänderung in Planung, heisst es bei der Schweizerischen Tochter mit Sitz in Olten. Die Autogrill-Firmenfarbe würde für die «Windrose», wie sie früher hiess, wieder eine komplett neue Farb-Ära einläuten: Das Autogrill-Logo ist leuchtend rot.