Im Arbeitszimmer von Silvia Schiesser-Seldes gibt es kein mystisches Brimborium. Der Raum wirkt nüchtern, und nur die Bücherwand mit unzähligen astrologischen Büchern weist darauf hin, dass hier eine Astrologin am Werk ist.

Zuerst 25 Jahre Sprachlehrerin

Als Silvia Seldes wurde sie in Buenos Aires geboren. Nach dem Lehrerseminar und acht Semestern Jura kam sie nach Basel, wo sie 25 Jahre lang an einer renommierten Sprachschule als Spanischlehrerin tätig war. Bereits in den siebziger Jahren war sie mit der Astrologie in Berührung gekommen, aber ihre persönliche «Wende» fand 1990 statt, als sie sich für ein Einführungsseminar in Astrologie entschied. Es folgte eine vierjährige Ausbildung an der Schule für Erwachsene (SFER).

Das Schlussdiplom weist die zweifache Mutter als Astrologin und Beraterin Psychologischer Astrologie aus. «Als ich mich entschloss, Astrologin zu werden, waren viele Leute befremdet. Aber ich bin eine ganz normale Frau ohne geheimnisvolle Aura», so Silvia Schiesser-Seldes.

Horoskope als Unterhaltung

Von Zeitungshoroskopen hält sie nichts. «Das ist reine Unterhaltung, und das wissen die Menschen auch.» Seriöse Astrologie müsse vom persönlichen Horoskop ausgehen, wobei die Kenntnis von Geburtsdatum, -zeit und -ort das A und O sei. Seriös sei nur, wer eine professionelle Ausbildung erhalten habe, sich auch in psychologischen Themen und in Beratungstechnik auskenne. «Wichtig sind für mich ethische und moralische Werte, Weiterbildungen, Austausch und Supervision.»

Schiesser-Seldes untersteht dem Ehrenkodex des Schweizer Astrologenbundes SAB: «Die Astrologin respektiert die Werthaltung und Entscheidungsfreiheit der Klienten.» Im Altertum wurden Astronomie und Astrologie nicht unterschieden, so hat die Astrologie eine jahrtausendelange Erfahrung im Rücken. Aber warum funktioniert sie, obwohl Sternzeichen de facto im Kosmos nicht existieren? «Die Ergebnisse der Astrologie lassen sich empirisch durchaus überprüfen, aber wir arbeiten nicht mit dem Gesetz der Kausalität.»»

Keine konkreten Voraussagen

Silvia Schiesser-Seldes räumt mit einem Vorurteil auf: «Ein Sternzeichen gibt nicht Rückschlüsse auf vorhandene Eigenschaften, sondern beschreibt vielmehr Potenziale. So kann Astrologie Lebenshilfe leisten und Impulse geben, sich besser kennenzulernen.» Dagegen könne sie als Astrologin keine konkreten Voraussagen machen und wolle bei Klienten keine Abhängigkeiten erzeugen. Als Psychologische Astrologin könne sie Teilpersönlichkeiten im Sinne der Tiefenpsychologie Jungs aufzeigen und Verdrängungsmechanismen aufdecken. Mit dem Glauben kann sie ihren Beruf gut verbinden. «Die Astrologie ist ein Arbeitsinstrument, keine Glaubensrichtung. Und ich kenne keinen Astrologen, der das Göttliche negieren würde.»