Das Bundesamt für Strassen (Astra) führt in der ganzen Schweiz Machbarkeitsstudien für Photovoltaikanlagen auf Autobahnen durch. Solaranlagen baut und betreibt das Astra aber nicht. Es gibt lediglich die technischen Rahmenbedingungen vor. Die Initiative müsse aus der Privatwirtschaft kommen, sagt Astra-Sprecher Andreas Rüegger. «Durch Fukushima steigt die Nachfrage nach geeigneten Standorten», sagt Rüegger. Darum intensiviere das Amt die Abklärung möglicher Standorte. Die sicherheitstechnischen Rahmenbedingungen für Photovoltaikanlagen auf Lärmschutzwänden oder Überdeckungen von Autobahnabschnitten sind bereits formuliert. «Das Astra ist bereit für Anfragen von privaten Unternehmen», sagt Rüegger. Aus dem Baselbiet hätten sich bis jetzt noch keine Interessenten gemeldet.

Das Astra will mögliche Standorte nicht aktiv propagieren. Dennoch sei der Autobahnabschnitt von Schweizerhalle Richtung Basel als ein möglicher Standort optimal, so Rüegger. Weil die Strasse auf der Ost-West-Achse liegt, gibt es auf Stützmauern und Lärmschutzwänden viele Flächen für Solaranlagen. Lärmschutzwände, die auf der Nord-Süd-Achse liegen, sind hingegen nicht gut geeignet. Die Sonnenkollektoren könnten den Autofahrer blenden. «Auf der Nord-Süd-Achse sind aber Überdachungen möglich», sagt Rüegger. Aber man müsse jeden Standort einzeln prüfen.

Urs Steiner, Geschäftsleiter der Elektra Baselland (EBL), hat eine Investition in Solaranlagen bei Autobahnen «noch nicht in Betracht gezogen». Die grossen Flächen seien rentabel. Zuerst müsse er aber die Kosten und Bedingungen abklären. Bis dahin setzt die EBL weiter auf Anlagen auf Dächern.

Die Elektra Birseck (EBM) setzt ebenfalls auf Solaranlagen auf Häusern. Gegenüber Photovoltaikanlagen auf Lärmschutzwänden ist die EBM aber skeptisch. «Die Autobahn ist nicht die beste Variante», sagt Dieter Stich, Teamleiter Photovoltaik. Anlagen bei einer Autobahn seien wartungsintensiv und schwierig ans Netz anzubinden. Die Anlagen müssten sehr gross sein, damit sie rentabel seien. Dafür brauche es einen Investor, der mehrere hundert Millionen Franken in die Hand nehme. «Den muss man aber erst mal finden», sagt Stich.

Multifunktionale Schutzwände

«Es ist unsinnig, zuerst eine Lärmschutzwand zu bauen und dann erst eine Photovoltaikanlage zu installieren», sagt der Basler alt SP-Nationalrat und Energieexperte Ruedi Rechsteiner. Längerfristig sollten Solarpanels Teil einer Lärmschutzwand sein. Man müsse lernen, die Infrastruktur multifunktional zu nutzen.

Der Bau von Photovoltaikanlagen boomt: 2011 betrug das Volumen aller in der Schweiz installierten Solaranlagen rund 192 Megawatt. Im Vorjahr waren es noch 111 Megawatt und 2009 rund 70.