Der Pausenhof des Schulhauses ist zu einem Freilichtmuseum mutiert. Ein majestätischer Lagonda, ein Aston Martin DB3S, der sogar James Bond gefallen würde, oder ein Ferrari 250 GTE: 120 Gefährte, gebaut zwischen 1911 und 1966. Bedeutet Teilnahme-Rekord. OK-Präsident Stefan Kestenholz schätzt den Wert der Karossen auf insgesamt 220 Millionen Franken. «So einen hatte sich auch mal», sagt ein Grossvater zu seinem Enkel und zeigt wehmütig auf ein blaues Käfer-Cabriolet. Lauber und Reber fahren einen vom Veranstalter geliehenen Mercedes Benz 220a Ponton.

Das Gempen-Memorial will an die Bergprüfungsfahrten ab 1911 erinnern. Die Zeit aus dem Trainingslauf wird zur Sollzeit. In fünf Läufen muss diese jeweils möglichst präzise erreicht werden. Somit gewinnt nicht der Schnellste, sondern der Präziseste. Die 5200 Meter von Dornach nach Gempen führen durch 30 Kurven. Neben der Baselbieter Regierung ist auch jene aus Basel und aus Solothurn mit am Start. Alle im geliehenen Mercedes.

Basler im Taxi

Das auffälligste «Bijou» fahren Baschi Dürr und Lukas Engelberger. Es ist ein Taxi mit integriertem Überrollbügel. Wer nun denkt, der Veranstalter traue dem Basler Sicherheitsdirektor nicht zu, ein Auto zu lenken, irrt. Dahinter steckt eine ganz besondere Geschichte. 2007 nahm Stefan Kestenholz in diesem Wagen an der«Peking to Paris Motor Challenge» über 15000 Kilometer teil. «Neun Wochen zusammen mit meiner Frau Lilo im selben Wagen», denkt Kestenholz zurück, «das hat uns zusammen geschweisst.»

Ein Junge setzt sich in einen racing-grünen MG. «Aber nur das Lenkrad berühren», mahnt der Papa. Da darf der Solothurner Staatsschreiber, Andreas Eng, schon ganz anders hinlangen. Er ist mit Landammann Remo Ankli auf unterwegs. Im ersten Lauf verfehlen sie die Vorgaben um lediglich sieben Tausendstel-Sekunden. Eine Präzision, wie sie die Regierungen beider Basel nicht erreichen. «Da blieb den Organisatoren der Mund offen stehen», freut sich Ankli, «danach haben wir beschlossen, weniger gut zu fahren, um nicht weiter aufzufallen.»

Schneller Dürr

Eng beschreibt das Fahren: «Alles ist mehr auf Komfort ausgelegt. Das Anstrengendste ist das Parkieren ohne Servolenkung.» Im Baselbieter Team hat Lauber das Steuer fest in der Hand, während Reber «als alter Pfadfinder» auf dem Beifahrersitz die Karte liest. Dürr, Besitzer eines Austin Healey von 1964, «den ich gerade genug bewege, um Standschäden zu vermeiden», freut sich, die Baselbieter geschlagen zu haben.

Das stört Isaac Reber nicht die Bohne: «Sekündelen ist nicht unsere Sache, wir sind fürs Grobe.» Noch immer hingerissen von nostalgischen Automobilen, preist Anton Lauber deren eigentümlichen Motorenklang, den Geruch der Interieurs nach längst vergangenen Tagen. «Jedes Modell hat seine ganz eigene Ausstrahlung», lobt er, «da ist noch viel weniger Mainstream im Design.» Ein Memorial in jeder Hinsicht.