Der trockene Sommer 2015 machte den Baselbieter Bauern über den Winter hinaus zu schaffen. «Wir waren auch davon betroffen», sagt Susanne Strub. Die SVP-Landrätin ist Bäuerin auf dem Mattenhof oberhalb Häfelfingen. «Es betraf hauptsächlich das Futter und den Wintervorrat.» Der Mais sei nicht gewachsen, wie er sollte, und die Frucht sei notreif geworden. Letzteres bedeutet, dass sich die Ären nicht ganz ausgebildet haben – was zu minderwertiger Qualität und geringerem Ertrag führt.

Sparen durch Viehverkauf

«Ich weiss von etlichen Bauern, die Futter zukaufen mussten», bestätigt Stefan Weber, Leiter Kreditkasse des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain (LZE). Das LZE in Sissach übernimmt die Kantonsaufgaben zugunsten von Landwirtschaft, Natur und Ernährung. Gemäss Weber könne der Futterzukauf schon bei einem kleinen Betrieb bis zu 10 000 Franken ausmachen. «Um das aufzufangen, kauft man keine Maschinen, baut keine Gebäude oder versucht, andere Einkommensquellen zu finden.» Zusätzlich kann ein Landwirt sparen, indem er Vieh verkauft und so für weniger Tiere Futter kaufen muss. «Der Fleischpreis war im Herbst sehr gut», erklärt Weber. Etwas anders sieht das allerdings die Bäuerin Strub: «Der Viehpreis war durchschnittlich. Wir hatten Angst, dass die Preise in den Keller fallen und der Verlust sehr gross ist.»

Bewässerung ist teuer

Hinzu kam die Trockenheit. Doch wie Weber sagt, kamen die Bauern letztes Jahr «mit einem blauen Auge davon». Er erinnert sich: «Die Getreideernte war mehr oder weniger durch, als es trocken wurde. Für einen kleinen Betrieb machen die Bewässerungs-Mehrkosten schnell einmal 4000 bis 5000 Franken aus.» LZE-Leiter Lukas Kilcher betont, natürlich könne man bei Trockenheit bewässern. «Doch längst nicht überall und nicht immer ist Bewässerung möglich.» Wasser ist gerade bei Trockenheit knapp. «Eine weitere Möglichkeit bietet die Wahl von Kulturen und Sorten, welche besser an Trockenheit angepasst sind. Kurzfristig können das gute Lösungen sein. Wir müssen aber auch langfristig denken.»

Kilcher plädiert für eine Verbesserung der Speicherfähigkeit des Bodens für Wasser und Nährstoffe. Beispielsweise gibt es die Anwendung von Kompost und Gründüngung mit Leguminosen (Hülsenfrüchte), die Stickstoff aus der Luft fixieren. Wenn der Boden mehr Wasser und Nährstoffe speichern kann, können Landwirte langfristig die Bewässerungsmehrkosten senken. Kilcher: «Ein guter Bauer zeichnet sich auch dadurch aus, dass er in seinen Boden investiert.»

Kampf mit gefrässiger Fliege

Was den Landwirten auch zu schaffen macht, ist ein winziger, aus dem Fernen Osten eingeschleppter Schädling: die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Die Fliegen befallen Weichobstarten wie Kirschen, Zwetschgen, Trauben und Beeren. 2014 zerstörte sie einen beträchtlichen Teil der Ernte – bei den Trauben bis zu 15 Prozent (die bz berichtete). Die Fliege hat hierzulande keine natürlichen Feinde. Um die Zerstörungskraft zu illustrieren, hilft folgendes Beispiel von Susanne Strub: Ein Unterbaselbieter mit grossen Kirschenanlagen sei an den Muba-Stand des Bäuerinnen- und Landfrauenvereins beider Basel gekommen. «Die Anlage war befallen. Innert Stunden war die Kirschenernte trotz voller Bäume vorbei.»

Sommer 2014 war schlimmer

Doch wie geht es den Landwirten heute? «Der Frühling hat sehr gut begonnen; das Gras ist gewachsen», sagt Susanne Strub vom Mattenhof. Man habe die Kühe eher rauslassen können. «Wir hoffen, dass es nicht mehr allzu kalt wird und kein Schnee mehr kommt.» Doch noch ist bei den Bauern nicht alles in Butter. «Viele klagen, sie seien finanziell am Anschlag», sagt Andreas Haas, Vizepräsident des Bauernverbands beider Basel (BVBB).