Holzpaletten stehen mitten auf der Curt-Goetz-Strasse in lodernden Flammen. Langsam wird’s glühend heiss – und schon kommt ein Löschfahrzeug um die Ecke gebogen. Keine Sorge: Hier ist bloss eine Übung voll im Gange. Dabei ist der Nachwuchs am Zug: Die Jugendfeuerwehren Allschwil, Klus und Rheinfelden können dem Publikum ihr Können vordemonstrieren. Eingeladen wurden sie von der Binninger Feuerwehr, welche dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert.

Die Abläufe der eingeladenen Teenager müssen sitzen: Vor dem Feuerwehrmagazin verlegen sie vier Schläuche für einen dreifachen Löschangriff. Mit Wasser, Schaum und Pulver bodigen sie die Feuersbrunst, während den Zuschauern die Vorgehensweise der Mannschaft erklärt wird.

Die Löschübung der jugendlichen Teams war eine von mehreren Darbietungen an den Binninger Jubiläumsfeierlichkeiten. Die Feuerwehr glänzt dieses Jahr gleich mit drei Festivitäten: Den Auftakt machte der Show-Anlass vom Samstag. «Das war für die Öffentlichkeit gedacht – im Rahmen des Binninger Frühlingsmarktes sollen den Leuten die modernen Einsatzkräfte gezeigt werden», erklärt Andreas Flück, Präsident des OK «150 Jahre Feuerwehr Binningen».

Mit einer Festansprache, musikalischer Begleitung der Feuerwehrmusik und einem Apéro für alle wurde somit die Reihe der Jubiläumsfeierlichkeiten eingeläutet.

1864 mit zwölf Mann gestartet

Am Samstag waren es nicht die Binninger selbst, die sich in mit Darbietungen in Szene setzten. Die Idee der Organisatoren war es, den Gästen eine Bühne zu bieten: Die Jugendfeuerwehren aus der Region, die Hundestaffel der Baselbieter Polizei und die Betriebsfeuerwehr Bruderholzspital gaben mit Vorführungen Einblick in ihre Arbeit. Die jubilierenden Binninger werden dann am 25. Oktober an einer eigens dafür geplanten öffentlichen Hauptübung ihr Können zeigen. Zudem wird es Juni ein Plauschanlass für alle aktiven und ehemaligen Mitglieder geben.

Das Jubiläum lädt dazu ein, auf die Entstehungsgeschichte der unentbehrlichen Truppe zurückzublicken: Die Gründung der Binninger Feuerwehr hängt stark mit den politischen Veränderungen im 19. Jahrhundert zusammen: Nach der Revision der Kantonsverfassung im Jahr 1863 wurden die Gemeinwesen selbstständiger. Somit gewannen die Einwohnergemeinden an Einfluss gegenüber den Bürgergemeinden.

Der Aufbau eines Gemeindewesens erforderte die Einsatzbereitschaft in Notsituationen. Damit wurde auch der Grundstein für die örtliche Feuerwehr gelegt, welche gleichzeitig mit der Gründung Basellandschaftlichen Kantonalbank auf den 30. Januar 1864 datiert wird. Sie bestand damals aus einem 12 Mann starken Kader sowie 28 Pompiers und vier Trompetern. Diese schlugen jeweils trötend Alarm, wenn die Feuerwehr mit dem Spritzenwagen ausrücken musste.

Positiv: Keine Nachwuchs-Sorgen

Die allererste Übung der Binninger fand im Juli des gleichen Jahres statt. Das Budget bewegte sich damals noch in einer anderen Dimension: Wie aus der Festbroschüre hervorgeht, hatte die Feuerwehr in jenem Jahr noch rund hundert Franken Einnahmen und Ausgaben zu verbuchen. Im Gegensatz zu damals ist der heutzutage dieser Dienst für die Sicherheit keine Männerangelegenheit mehr: 1983 trat die erste Frau in den Dienst ein. Heute stellen die Feuerwehrfrauen 15 Prozent des Mannschaftsbestandes.

Letztes Jahr bestritten die Binninger rund 105 Einsätze, sei es zum Löschen von Bränden wie auch mit Hilfeleistungen bei Sturmschäden, Hochwasser, Industrieunfällen oder Tierrettungen. Auch nach 150 Jahren hat offensichtlich das Interesse am Mitmachen nicht nachgelassen. Wie Andreas Flück zufrieden erklärt, melden sich bei der Rekrutierung am Weihnachtsmarkt Jahr für Jahr ein paar der angeschriebenen jungen Erwachsenen aus der Gemeinde. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden kann Flück festhalten: «Wir haben keine Nachwuchsprobleme.»