Zu viel Licht in der Nacht verursacht beim Menschen Konzentrationsmängel und Hormonstörungen, und Zugvögel verlieren die Orientierung. Das sagen Studien, auf die sich die SP Binningen beruft. Die Partei hat deshalb die Initiative «Vermeidung von unnötigen Lichtimmissionen» lanciert, die am kommenden Sonntag an die Urne kommt. Das Volksbegehren verlangt, dass zwischen 1 und 6 Uhr das Beleuchten von Gebäuden von aussen verboten sein soll, ebenso das Brennenlassen von Leuchtschriften und Schaufenstern.

Dem widersetzen sich die Binninger Bürgerlichen, zusammen mit dem Gewerbeverband KMU Binningen-Bottmingen. Sie sehen in Binningen kein Lichtproblem. Die Eigenverantwortung der Lichtverursacher funktioniere, es brauche keine zusätzliche Regulierung. Insbesondere die SVP betont, weniger Licht schaffe mehr Unsicherheit, und das ausgerechnet im einbruchgefährdeten Binningen.

Mit einem Lichtverbot wäre Binningen kein Einzelfall im Baselbiet. Reinach, Gelterkinden, Muttenz und Pratteln kennen bereits solche Regelungen. Zwar sträubte sich das Gewerbe jeweils gegen die angeordnete Verdunkelung, doch inzwischen scheint man sich damit abgefunden zu haben. «Wenn es erst nach 23 Uhr dunkel sein muss, ist das für uns noch tragbar», sagt Kurt Spörri, Vorstandsmitglied von KMU Pratteln. «Nach Mitternacht interessiert es doch niemanden mehr, ob das Licht brennt.» Und aus Kostengründen würden sowieso viele Gewerbetreibende ihre Schaufenster um 23 oder 24 Uhr abstellen. Was er allerdings für den Winter befürchtet, ist eine Ausweitung der dunklen Zeiten auf den Abend und den frühen Morgen.

Kritischer ist Beat Hüsler, Präsident von KMU Muttenz. Er ist der Meinung, «dass Reklameschriften und Schaufenster keine Lichtverschmutzung sind, sondern ein Zeichen einer funktionierenden Wirtschaft». Innerhalb der Kernzone gebe es immer wieder Diskussionen über Reklametafeln und Beschriftungen, welche dann zusammen mit der Gemeinde meistens gütlich gelöst würden. Das bestätigt der Muttenzer Gemeindeverwalter Aldo Grünblatt. Die Polizei mache regelmässig Kontrollen, Beanstandungen seien aber noch nie nötig gewesen.

Ähnlich tönt es in Pratteln. «Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit den betroffenen Firmen», sagt Sandra Meier, Sprecherin der Gemeinde Pratteln, wo die Lichter seit 2010 aus bleiben. Schwierigkeiten gebe es höchstens bei der Umstellung zwischen Winter- auf Sommerzeit, weil die Schaltuhren nicht immer umgestellt würden, «aber dahinter steckt ja kein böser Wille».

Offen bleibt das Sicherheitsargument. Die Kantonspolizei empfiehlt gegen Einbrüche, zusätzliche Lichtquellen zu installieren. «Besonders geeignet sind Lampen mit Bewegungsmeldern im Aussenbereich», schreibt sie. Sie stellt aber auch klar: Einbrüche finden vorzugsweise in der Dämmerung zwischen 17 und 22 Uhr statt – einer Zeit also, in der auch nach einem Ja am Sonntag in Binningen alles hell bleibt. (mec)