Am kommenden Samstag ist es wieder so weit: Viele, vor allem Kinder-Augen werden auf die Bühne der Aula in der Liestaler Gewerbeschule fixiert sein. Und für etliche Kinder wird es der erste und entsprechend eindrückliche Kontakt mit der Theaterwelt sein – wie schon für Generationen von Liestaler Kindern zuvor. Denn seit Jahrzehnten spielt die Bühne Liestal regelmässig Märchen.

Doch die diesjährigen Vorstellungen sind nicht nur für die Kinder im Publikum etwas spezielles, sondern auch für die Schauspieler auf der Bühne. Das aus zweierlei Gründen. «Dornröösli», das die Bühne Liestal bis zur Derniere am 8. Dezember zehnmal spielt, ist ein Jubiläumsstück: Die Bühne Liestal feiert ihren 60. Geburtstag. Ein solches Jubiläum ist alles andere als selbstverständlich. Das zeigt auch die Geschichte der Bühne Liestal.

Conny Schenk, die das Präsidium im vergangenen Juni nach 20 Jahren abgab, erzählt: «Der Höhepunkt unserer Bühne war das Jahr 1989, als wir im Auftrag der Stadt Liestal zu deren 800-Jahr-Jubiläum das Stück ‹E Poete-Näscht› spielten. Danach war die Luft irgendwie draussen, viele Ältere traten zurück, und 1998 folgte der Antrag, den Verein aufzulösen.»
Schenk wehrte sich dagegen und übernahm das Präsidium.

Dornröösli mit Musik aus den 60er- und 70er-Jahren

Es folgte eine schwierige Phase mit wenig Publikum, wenig Geld in der Kasse und der nicht ganz einfachen Suche nach neuen Mitwirkenden. Aber der Turnaround wurde geschafft, heute zählt die Bühne Liestal wieder 23 Aktive, dem Verein geht es finanziell gut, und er spielt oft vor ausverkauften Rängen. Und das alles grossmehrheitlich auf ehrenamtlicher Basis. Einzig der Regisseur und im Fall des «Dornröösli» zwei Profi-Musiker werden entschädigt.

Die beiden Pianisten sind auch der Hinweis darauf, was die diesjährigen Vorstellungen zusätzlich aussergewöhnlich macht: «Dornröösli» kommt schon fast als Musical daher, unter anderem mit Hits aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Auf der Bühne singen zu müssen, sei für den einen oder anderen Schauspieler eine Herausforderung, sagt Schenk. Ihr selber bereitet das Singen als ehemalige Schnitzelbänklerin keine Mühe, und sie hat auch eine Vorliebe für Märchen: «Ich spiele inzwischen am liebsten vor Kindern. Sie leben richtig mit.»

Schenks Nachfolgerin als Präsidentin, Karin Schweizer, ergänzt: «Es ist so schön, wenn die Kinder mit glänzenden Augen dasitzen und dazwischen rufen, weil sie so mitgehen.» Das «Dornröösli», das Peter Keller für die Bühne Liestal in Dialekt umgeschrieben und vertont hat, lehne sich eng ans Original an, beruhigt Schweizer all jene, die eine «verhunzte» Fassung befürchten. Sie weiss genau weshalb: «Das erwarten die Kinder.»

Das Ensemble beherrscht viele Genres

Obwohl sich Märchen seit 40 Jahren wie ein roter Faden durch die Geschichte der Bühne Liestal ziehen, darf das Ensemble nicht auf dieses Genre reduziert werden. In der Regel wechsle man ab, im einen Jahr ein Märchen vor allem für die Kinder, im andern Jahr ein Stück für die Erwachsenen, erklärt Schenk. Im nächsten Jahr folge eine Komödie.

Der Grandseigneur der Bühne Liestal, Thomas Schweizer, der zusammen mit seiner Frau noch als einziger aus der Gründergeneration aktiv dabei ist, schreibt in seiner Chronik von 1958 bis 2006 zum Thema Märchen: «An einer ausserordentlichen Generalversammlung im Jahr 1978 hatte Heike Martin dann eine verblüffende, in unserem Kreis noch nie vorgebrachte Idee: ‹Warum versuchen wir es nicht einmal mit einem bekannten Grimm-Märchen?›»

Darauf spielte die damalige Laienbühne ihr erstes Märchen «D Bremer Stadtmusikante». «Mit ungeahntem Erfolg», wie Schweizer beifügt. Übrigens war das ein Befreiungsschlag aus einer kleinen Krise der Bühne Liestal, die damals noch Laienbühne Liestal hiess.

-----

Dornröösli Die Bühne Liestal spielt an folgenden Daten: 10., 11., 17., 18., 24., 25. November, 1., 2. und 8. Dezember, jeweils um 15 Uhr, sowie am 7. Dezember um 20 Uhr. Die Eintrittspreise betragen 10 Franken für Kinder und 25 Franken für Erwachsene.