«Grundsätzlich will der Verwaltungsrat den Dampfbetrieb aufrechterhalten.» Urs Steiners Bekenntnis wird den Verein Dampfzug Waldenburgerbahn (VDWB) freuen. Doch der Verwaltungsratspräsident der Waldenburgerbahn AG (WB) muss seine eigene Aussage im gleichen Atemzug relativieren: «Es gibt relativ grosse Hürden und es stehen grosse Investitionen an.»

Damit meint er nicht zuletzt die anstehende Revision der drei Wagen, um deren Zustand es alles andere als gut steht. Ohne die Überholung der Wagen wird der Dampfbetrieb nicht möglich sein, der Start der Saison musste bereits verschoben werden. Konkret rechnet die WB mit Revisionskosten für die drei Fahrzeuge von rund 1,2 Millionen Franken.

Der VDWB hatte an seiner ordentlichen Generalversammlung vergangenen Freitag über das Resultat des Gutachtens informiert, das von einem Betrieb der Wagen abrät. Vor allem hat er dessen Zeitpunkt – die Resultate trafen Anfang letzter Woche ein – infrage gestellt.

Vereinspräsident Felix Stohler hatte rhetorisch gefragt, warum dieses Gutachten, das längst überfällig gewesen sei, nicht nach, sondern vor der Dampfsaison gemacht worden sei. Er wolle niemandem Böswilliges unterstellen, aber: «Ich habe das Gefühl, der Geschäftsführer würde es nicht ungern sehen, wenn der Dampfbetrieb eingestellt würde. Seine Begeisterung für den Dampfbetrieb ist jedenfalls nicht sehr offensichtlich», sagt Stohler auf Anfrage der bz.

«Lassen nichts unversucht»

Der Beschuldigte, WB-Geschäftsführer Peter Widmer, weist die Vorwürfe von sich. Die Dampfbahn sei ein Kulturgut, ein fahrendes Denkmal, und der Wille, die Dampfsaison 2014 zu retten, unbedingt da. «Die Sicherheit hat oberste Priorität. Wenn etwas passiert, wird es dramatisch.» Er will nichts von einer mutwilligen Absicht bezüglich des Zeitpunkts des Gutachtens wissen: «Niemand will hier irgendwem etwas zuleide tun.»

Verwaltungsratspräsident Steiner räumt ein, dass der Zeitpunkt des Gutachtens tatsächlich unglücklich gewählt worden sei: «Wir haben das leider zu spät gemerkt. Natürlich hat der Dampfbetrieb nicht erste Priorität, trotzdem ist das unschön. Die Verantwortung dafür trägt allein der Verwaltungsrat.» Man setze nun alles daran, die Wagen fahrtüchtig zu machen, bis Ende Monat solle eine Offerte für die Revision vorliegen, so Steiner weiter. «Wir wollen die Fahrzeuge so schnell wie möglich auf die Schiene bringen, dafür lassen wir wirklich nichts unversucht.»

Glaube an dampfende Zukunft

Steiner betont zudem, dass die Form einer langfristigen Zukunft des Dampfbetriebs zwischen Waldenburg und Liestal hinterfragt werden müsse. «Wir müssen auch über andere Gefässe nachdenken. Eine Möglichkeit wäre etwa, den Dampfbetrieb als Stiftung zu führen.» Felix Stohler macht den Vorschlag einer Genossenschaft.

Das ist die akute Sicht auf die Dinge. Spätestens mit dem Umbau des Bahnhofs Waldenburg in den kommenden Jahren kommt aber auch die langfristige Zukunft des Dampfzugs zur Sprache. Ob der dann nämlich noch einen Platz haben wird, ist ungewiss. Peter Widmer verweist hierzu auf die laufende Planung. Allein auf die finanzielle Herausforderung angesprochen, unterstreicht er aber: «Die Herausforderung ist sehr gross.»

«Unser Wunsch ist, eine gedeckte Bleibe im Bahnhof Waldenburg zu erhalten. Geht das nicht, können wir uns auch vorstellen, woanders zu arbeiten, aber nur, wenn es machbar ist. Wir wollen nicht durch die Hintertür verabschiedet werden», sagt Felix Stohler. Die Unterstützung des Verwaltungsrats stimme ihn zuversichtlich. «100-prozentig sicher bin ich zwar nicht, aber ich glaube an die Zukunft des Dampfzugs im Waldenburgertal.»