Viele Leute gehen mit einer Farbkarte auf Kleidereinkauf. Die Karte besagt, welche Kleiderfarben zu ihrem Typ passen. Nach dem gleichen Muster funktioniert die neue «Farbkarte für die ländliche Baukultur», die gestern die Baselbieter Denkmalpflege in Arboldswil vorstellte. Sie soll für Bauherren in Dorfkernen des oberen Kantonsteils eine Stütze bei der Farbwahl des Anstrichs von Fassade, Fenster- und Türeinfassung sowie Fensterläden sein – und die Farbe soll zum Dorf passen. Denkmalpflegerin Brigitte Frei sagte zum Hintergrund: «Es gibt keine rechtliche Grundlage zur Farbgebung im Kanton Baselland. Wir verstehen die Farbgebung aber als wesentlichen Bestandteil der Architektur.»

Frei fügte einen interessanten Gedanken an: «Die Farbe eines Hauses mitten in einem Dorf hat auch einen sozialen Aspekt, weil sie alle anschauen müssen.» Wer eine knallige Farbe wähle, falle aus dem Kontext und wolle signalisieren, dass sein Haus etwas Besonderes sei. Früher habe zum Beispiel nur das Rathaus als Auszeichnung einen roten Anstrich gehabt. Zur Erstellung der Farbkarte schaute die Denkmalpflege zusammen mit dem «Haus der Farbe», einer Zürcher Fachschule für Gestaltung in Handwerk und Architektur, intensiv nach Maisprach, weil diese Gemeinde bezüglich Farben im Dorfkern als besonders repräsentabel gilt. Wobei Frei betonte: «Was für Maisprach und das obere Baselbiet sowie den angrenzenden aargauischen und solothurnischen Raum gilt, gilt nicht für Reinach.» Und auch nicht fürs Laufental, wo wegen des andern Gesteins eine kühlere Farbgebung vorherrsche.

Ortsbildpflege wird umgänglicher

Die Farbigkeit der Fassaden der Oberbaselbieter Dörfer, die bis ins 19. Jahrhundert entstanden sind, werden durch die traditionellen regionalen Baumaterialien Stein, Sand und Kalk geprägt. Und die verfügen über eine Farbpalette von hellem Beige bis hin zu ockerfarbenen und graustichigen Tönen. Stefanie Wettstein vom «Haus der Farbe», die die Farbkarte erarbeitet hat, ergänzte: «Diese Farben gehören zum Baselbiet. Wir wollen keine globalisierte Farbgebung, die die Häuser in Arboldswil und Peking gleich macht.» Die Denkmalpflege will mit dem neuen Leporello künftig farblichen Grundsatzdiskussionen vorbeugen und diesen grossflächig streuen sowie im Internet aufschalten.

Dass die Denkmalpflege ihre neue Farbkarte gerade in Arboldswil vorstellte, hat nichts mit einer besonders abenteuerlichen Farbgebung in dessen hübschem, weitgehend intaktem Dorfkern zu tun, sondern mit der Person von Philippe Allemann: Er ist seit Februar neuer Ortsbildpfleger und für die Gemeinden mit den Anfangsbuchstaben A bis L zuständig – ausser Arboldswil, weil er hier wohnt und man Interessenskollisionen vorbeugen möchte.

Dass der Architekt aber ein profunder Kenner seines Dorfes ist, bewies er auf einem Rundgang durch das «typische Haufendorf». Etliche Behördenmitglieder dürften aufatmen, dass mit dem in Reinach aufgewachsenen Allemann wieder ein mit der hiesigen Mentalität vertrauter Ortsbildpfleger im Amt ist. Denn seine Vorgängerin, von der einer sagt, der sie kennt, dass sie so ziemlich alle Vorurteile über Deutsche auf sich vereint hätte, stiess an vielen Ecken und Enden an. Das gilt übrigens nicht für die zweite Ortsbildpflegerin Konstanze Domhardt, ebenfalls deutscher Herkunft: Aus den Gemeinden M bis Z war bisher nie etwas Negatives über sie zu hören.