Wenn im Wein wirklich die Wahrheit liegt, wie der berühmte lateinische Spruch besagt, was würden die Erzeugnisse aus den Oberbaselbieter Sonnenstuben von Wintersingen, Buus und Maisprach über ihre Winzer und ihre Konsumenten wohl verraten? Klar: Lebenslust. Das ist es nämlich, was die Menschen beim Genuss dieser lieblichen Weine am ehesten verbindet.

Und diese Weine sind im Trend. Das zeigt der Grossandrang zum Wy-Erläbnis, das am Samstag bei schönstem Sommerwetter bereits zum 12. Mal über die Bühne ging. Für Kenner ist diese «Tour des Vins» denn auch ein nicht alltäglicher Genuss-Event, der Leib und Seele erfreut. Das Konzept der Organisatoren – «Den Wein erleben, dort wo er wächst» – ist eine wahre Erfolgsgeschichte und kommt bei den Weinfreunden gut an. «Wir werden seit Jahren mit Anmeldungen überrannt, müssen die Teilnehmerzahl aber aus Kapazitätsgründen auf 2000 Personen limitieren», sagte OK Chef Urs Imhof.

Mit dem Glas um den Hals

Alternierend im Zwei-Jahres-Rhythmus zur Route von Buus nach Maisprach gings diesmal in ständigem Auf und Ab durch die südexponierten Hänge von Wintersingen, vorbei an voll behangenen Rebstöcken. Eine vermeintlich harmlose Route von sieben Kilometern, die locker in 90 Minuten zurückgelegt werden kann.

Die weintrinkenden Wanderer oder die wandernden Weintrinker – eigentlich egal – nahmen es da am Samstag bei grosser Hitze etwas gemütlicher und kamen jeweils nach rund vier Stunden Marschzeit wohlgenährt und gut gelaunt auf dem Festplatz unten im Dorf an. Mit dem Glas um den Hals wurde zwar durchaus flott gewandert, das pièce de résistance war indes unterwegs die «Postenarbeit».

Und da wurden dann eben opulente Häppchen gereicht, die förmlich nach den süffigen und feinwürzigen Baselbieter Weinen verlangten. Ein Vorhaben allerdings, das der Bezeichnung «Schnuppertour» zwar gerecht wurde, bei der Verkostung aller 18 offerierten Sorten aber ganz zünftig in die Knochen fahren konnte.

Isaac Reber ganz poetisch

Die qualitative Vielfalt der einheimischen Gewächse brachte indes auch verwöhnte Gourmets ins Schwärmen. Umso mehr, als diese edlen Tropfen als passende Begleiter zu etappenweise aufgetischtem Hobelkäse, Trockenfleisch, Zwiebelwähe, Brotsuppe, Schweinshals und Dessertkirschen eingeschenkt wurden. Das Wy-Erläbnis ist nebst dem Fachsimpeln alljährlich auch ein gesellschaftliches Happening unter Gleichgesinnten. Da werden Bekanntschaften gemacht, Freundschaften vertieft oder weinselig tiefschürfende Weisheiten doziert.

«Für mich ist Weintrinken etwas Poetisches, das verbindet», schwärmte Isaac Reber beim Schlusstrunk im Festzelt. Wie wahr – sass doch der Sicherheitsdirektor in feucht fröhlicher Runde unter rund 20 pensionierten Kantonspolizisten («Pekapo») und bekundete so eine viel beachtete Wertschätzung gegenüber seinen ehemaligen Schäfchen. Derweil konstruierte SVP-Nationalrat Thomas de Courten einen Bezug vom einheimischen Wein zum Baselbieter Lied: «Do obe weide Härde, dört unde wachst dr Wy.»