«Aus historischer Sicht sehr wertvoll», so bezeichnete der Oberwiler Gemeinderat das Herausgeben einer zweijährlichen Gemeindechronik, aber auch als «eine nicht notwendige Leistung». Er beschloss deshalb, die bisher 10'000 Franken dafür aus dem Budget zu streichen. Der Gemeindeversammlung vor einem Monat fiel es leicht, dem zuzustimmen – denn die Geschichtsschreibung in Oberwil ist noch lange nicht gestorben. Vor den Stimmbürgern erklärte sich Pascal Ryf nämlich bereit, die Chronik ehrenamtlich weiterzuführen.

Der 36-jährige Lehrer hat dafür den Verein Altoberwil gegründet, quasi als Weiterführung seiner persönlichen Website www.altoberwil.ch. «Die Chronik wird nicht mehr so umfangreich und entsprechend weniger teuer sein», sagt er. Doch es sei wichtig, weiterhin fortlaufend alles aufzuschreiben, was in der Gemeinde passiere. Man müsse Rechercheuren die Möglichkeit geben, alle Veränderungen in Oberwil nachvollziehbar zu machen.

Dass sein Verein keine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde hat, bereitet ihm keine Sorgen. «Für uns als Verein ist klar, dass wir die Sache durchziehen.» Nach seinem Auftritt an der Gemeindeversammlung hätten sich viele Leute bei ihm gemeldet und Interesse am Verein gezeigt. «Viele wussten gar nicht, dass es eine Gemeindechronik gibt», sagt er – so gesehen hat die Kürzung der Gemeindemittel zu einer Wiederbelebung der Chronik geführt.

Papier ist beständiger als Bytes

Sicher ist: Die Chronik wird in einer kleineren Auflage als bisher erscheinen. «In den vergangenen Jahren lag sie oft kistenweise in der Gemeindeverwaltung herum», sagt Ryf, der bisher im Chronik-Team der Gemeinde sass. Und wenn immer möglich, möchte er die Chronik weiterhin auf Papier erscheinen lassen. Nur falls die Finanzen es nicht zulassen, würde man sie nur noch online publizieren. «Das wäre der Worst Case», sagt er.

Das findet auch Remigius Suter, der als Präsident der Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte Baselland viel über Lokalgeschichte recherchiert. «Gemeindechroniken müssen nicht in Riesenauflage erscheinen», sagt er. «Aber es sollte sie unbedingt auf säurebeständigem Papier geben, wenigstens für die Archive.» Denn Papier sei immer noch beständiger als elektronische Datenträger. Er selber setze «ein sehr grosses Fragezeichen» hinter die elektronische Geschichtsschreibung. Doch so weit dürfte es in Oberwil nicht kommen. Ryf rechnet vor: Falls sein Verein hundert Mitglieder hat, die 50 Franken Jahresbeitrag zahlen, wären schon 5000 Franken zusammen. «Mit zusätzlichen Spenden kämen wir in die Nähe der 10'000 Franken, die die Gemeinde gestrichen hat.»

Nicht ausschliessen will er, dass eines Tages die Gemeinde wieder etwas für die Chronik zahlt – wenn nämlich Altoberwil einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellt, «wie das viele andere Vereine in Oberwil tun».