Dieter Widmer aus Aesch erhielt Mitte September von der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) einen Brief. Darin teilt ihm die Energieversorgerin mit, dass die Stromtarife per Januar 2014 ändern werden. Für ihn habe dies zur Folge, dass sein bisheriges Produkt von einem neuen «Standard»-Produkt abgelöst wird. Der Wechsel erfolgt automatisch – er müsse nichts weiter unternehmen. Der Aescher unternahm trotzdem etwas: Er griff zum Hörer und rief die bz an. «Es stört mich, dass ich von der EBM einen Entscheid aufgedrängt kriege, den ich gar nicht wollte und zu dem die notwendigen Informationen nicht geliefert werden», ärgert sich Widmer.

Die Beschwerde ist kein Einzelfall. Alle 120 000 Kunden der EBM, die mehr als die Hälfte der Baselbieter Haushalte mit Strom versorgt, sind von der Umstellung betroffen. Von diesen wandten sich viele weitere an die Redaktion. Der Tenor ist immer derselbe: Das Schreiben sei verwirrend – die Angebote unklar.

Sortiment gestrafft

EBM-Geschäftsleitungsmitglied Dominik Baier verteidigt das Vorgehen des Unternehmens: «Wir haben unser Sortiment gestrafft und die einzelnen Angebote angepasst.» Statt sechs wird es neu nur noch drei Produkte geben: EBM Standard, das teurere EBM Grün sowie das günstigere, das «dreckigere» EBM Grau mit Atomstrom. Bis 2050 will die EBM den Anteil der erneuerbaren Energien auf 80 Prozent erhöhen – 2012 lag er bei fast 28 Prozent (die bz berichtete). Vor diesem Hintergrund ist das Ziel der Umstellung offensichtlich: Rund 90 Prozent der EBM-Kunden beziehen eines der Standard-Produkte «Regiostrom» oder «CO2-frei». Wird aus dem neuen Standard-Produkt der Atomstrom entfernt, erhöht sich im Gegenzug automatisch der Anteil der erneuerbaren Energien. Steigen tut aber auch der Preis: Gegenüber «CO2-frei» beträgt der Aufschlag happige 7,6 Prozent.

Die EBM fühlt sich vom Volk bestätigt. Dazu Baier: «Unser Vorgehen deckt sich mit dem vom Parlament und daher letztlich vom Stimmvolk beschlossenen Weg, die Stromversorgung auf erneuerbare Energie umzustellen.» Die Kunden hätten jedoch weiterhin die Wahl. Deshalb seien dem Brief Broschüren über die drei zukünftigen Tarife beigefügt worden. Dieter Widmer waren die Angaben offenbar nicht behilflich. «Da standen keine konkreten Preise, nur die Differenzen in Rappen pro Kilowattstunde. Damit kann ich wenig anfangen.» Auch hierzu hat Baier eine Erklärung: «Wie viel ein einzelner Kunde konkret mehr oder weniger bezahlen muss, kann über ein Massenschreiben nicht vermittelt werden.» Die Kunden könnten sich aber kostenlos telefonisch beraten lassen.

Vorbild EBL

Die EBM orientiert sich bei ihrer Tarifreform an Konkurrentin EBL. Diese vereinfachte ihr Angebot bereits per 2012 auf drei Produkte. Dabei teilte sie die bisherigen «Standard»-Kunden ebenfalls automatisch einem neuen, atomfreien Standard-Produkt zu. Sie hätten damit gute Erfahrungen gemacht, sagt EBL-Geschäftsleitungsmitglied Tobias Andrist auf Anfrage: «87 Prozent der Privathaushalte sind beim Standard-Angebot geblieben.»