Das diesjährige «Conzärtli» der Studentenverbindung Zofingia bricht mit mehreren Traditionen. Es beginnt nicht mit dem Cantus, sondern mit drei betagten Baslerinnen, die im Stadtcasino sitzen und das «Conzärtli» sehen wollen. Damit spielen die Fagunzen den Ortswechsel aus, den sie nach dem letztjährigen Eklat vornehmen mussten. Damals fühlten sich die Besucher eines klassischen Konzerts durch das Pausengespräch der «Conzärtli»-Gäste gestört (die bz berichtete). Die Studenten mussten das Casino verlassen.

Nun findet das «Conzärtli» im Grossen Festsaal der Messe Schweiz statt – die einst mit dem Basler «Daig» verbundene Veranstaltung musste ins Kleinbasel zügeln, was die Studenten offenbar schmerzt. Im Prolog heisst es jedenfalls: «Ich nimm a, em Daig ischs nid wohl do, well sie hänn miesse ibereko. So frogt ganz konfus dr Meria: Hetts do scho immer Hüser ka?»

Dem «Stiggli» fehlt in diesem Jahr eindeutig die Spritzigkeit. Das machen die Laiendarsteller wett, die so beherzt aufspielen und singen, dass das Publikum begeistert applaudiert. Mitreissend sind die Couplets, deren Texte dank der verbesserten Technik auch in den hintersten Reihen verstanden werden.

Im «Stiggli» nehmen die Studenten Fifa-Boss Sepp Blatter, «Basler-Zeitung»-Chefredaktor Markus Somm und die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog aufs Korn. Die Fagunzen glänzen vor allem beim Ausspielen der Finanzministerin und des BaZ-Chefs. Er hängt an Fäden, weil er die Marionette einer «höheren Macht» ist. Auf dem Grossbildschirm erscheint Christoph Blocher. Die Ausrichtung der BaZ ist ein gefundenes Fressen für die Studenten. «Lieber e Zytig vo rächts läse, als am Bundeshus links verbi schiesse» oder «d BaZ isch so liberal wie d Fifa demokratisch isch», wird Somm in den Mund gelegt.

Die SP-Finanzdirektorin bedauert, dass sie von ihrer Partei nicht für den Bundesrat nominiert wurde und meint, sie hätte den Kapitalismus überwunden und die Armee abgeschafft, denn «ich bi e Powerfrau». Vor allem will sie «mit de Styyre uffe und de Boni abe».

Baselbiet ohne Kultur

Als Running Gag erscheint in diesem Jahr Unirektor Antonio Loprieno, der mit merkwürdigen Begründungen mehrere Ehrendoktoren ernennt. Mit einem riesigen Applaus quittiert wurde die sensationelle «literarischen Lesung».

Topaktuell sind die Fagunzen mit dem Bühnenbild. Ein Pharao mit dem Gesicht von Mubarak flieht vor dem eigenen Volk, das mit Speeren auf ihn zielt. Auch in den Textpassagen werden die jüngsten Ereignisse aufgenommen. Dass der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg seine Doktorarbeit abgeschrieben haben soll, provoziert ätzende Kommentare der Studenten. Das Baselbiet kommt ebenfalls an die Kasse. Es sei das Griechenland der Nordwestschweiz, aber «Griechenland hat immerhin noch Kultur».