Wie jeden Samstag seit Ende November haben sich die «RatzePutzer» auch vor drei Tagen auf dem Reinacher Bauernhof Neuhof, wo sie einen Wagenbauplatz gemietet haben, versammelt, um ihre Fasnachtsvorbereitungen voranzutreiben. Trotz der kalten Temperaturen sind die fünf Anwesenden - Ansi, Beetle, Päpu, Baldi und Ricola - aber nicht in ihrem geheizten Raum, sondern stehen draussen und nehmen jenes Objekt in die Mitte, das der Aescher Wagenclique ein Stück Einzigartigkeit verleiht: die Konfettikanone.

Konfetti-Kanone in Aesch

In Aesch wird die Konfetti-Kanone abgefeuert.

Kanone wurde 1982 gebaut

Während Cliquenpräsident Daniel Maritz, wie Ricola bürgerlich heisst, den Hoflader holt, um die Kanone zum Funktionstest 200 Meter weiter in Richtung Aesch zu befördern, taucht auch Kari auf. Ihm haben die «RatzePutzer» das rund 500 Kilogramm schwere Gerät zu verdanken. Er gehörte nämlich zu den «Güllesprützern», welche die Kanone 1982 bauten. «Das Know-how hatten wir, weil wir in den unterschiedlichsten handwerklichen Berufen tätig waren, darunter ein Förster und ein Strassenbauer, die das Sprengbrevet besassen», erinnert sich Karl «Kari» Häring.

Das Ende der «Güllesprützer» 1995 war auch das vorläufige Ende der Kanone. Doch 2002 machte Kari den Vorschlag, dass die Kanone bei der Clique von Sohn Andy «Ansi» Häring ihr Comeback feiern könnte. Die «RatzePutzer» waren sofort im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme. «Wir lieben Traditionen, und es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass sie weitergeführt werden», so Ricola.

Berührungsängste hatten die «RatzePutzer» keine, wenn auch der Respekt vor dem Geschütz zu Beginn vorhanden war. «Das war bei uns ‹Güllesprützern› nicht anders. Die ersten paar Mal waren wir unsicher und übervorsichtig, doch nach 20 Abschüssen hatten wir den Dreh raus», erklärt Kari. Entsprechend abgeklärt und gekonnt hantieren die Männer der Clique mit der Kanone. Dass sich das erste Abfeuern etwas hinzieht, hat weniger mit mangelnder Gewissenhaftigheit, sondern viel mehr mit vorfasnächtlichem Enthusiasmus zu tun: Denn die «RatzePutzer» stopfen das Rohr tatsächlich halb voll mit Konfetti, ehe jemandem auffällt, dass das Schwarzpulver noch nicht drin ist ...

40 Gramm Schwarzpulver und 7 Kilo Konfetti

Bei der Wiederholung wird dann alles richtig gemacht. Nachdem Ricola die 40 Gramm Schwarzpulver vorsichtig eingesetzt hat, machen sich Ansi und Yves «Päpu» Papaux daran, das Rohr mit rund sieben Kilogramm Konfetti zu füllen. Mit dem Abschuss, den alle aus einigen Metern Abstand erleben, sind die Männer aber nicht ganz zufrieden. Gemessen an früheren Einsätzen war der Knall relativ leise, und das Papier flog nicht hoch genug. Den Nachwuchs der «RatzePutzer» stört es kein bisschen: Die Kids freuen sich über den Konfetti-Regen.

Als der zweite Abschuss aus dem 1,5 Meter langen Kanonenrohr punkto Lautstärke und Höhe die Erwartungen aller vollends erfüllt, geht es zurück zum Neuhof. Bei Bier und «Ratzeputz» - Schnaps aus der Lüneburger Heide war Namensgeber bei der Cliquengründung im Jahr 1995 - werden die Fasnachtsvorbereitungen fortgesetzt. Dass die Konfettikanone dabei eine Rolle spielt, versteht sich von selbst. Nach der Blaggedde-Ausgabe wird sie auch beim Startschuss und sonst noch sporadisch zum Einsatz kommen. Das Fasnachtsvolk erwartet dies ja auch von den «RatzePutzern». «Die Aescher kennen uns und die Kanone», nickt Ricola und fügt mit einem breiten Grinsen hinzu: «Die Zugezogenen werden uns auch bald kennen lernen!»